Beziehungsmodelle Pro & Contra

 

#087: Welche Beziehungsmodelle gibt es? Welche Arten von Beziehungen leben die Menschen heutzutage? Kann etwas anderes als Monogamie überhaupt funktionieren? Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen (klassischen und alternativen) Beziehungsmodelle?

Immer häufiger wird in den Medien über alternative Beziehungskonzepte berichtet und immer mehr Menschen trauen sich, öffentlich über ihre Art von Beziehung zu berichten, die jenseits der gesellschaftlichen Moral statt findet, auch wenn sie dafür eine Menge Prügel und Kritik einstecken müssen.

Vom Ende der Monogamie?

Doch mal ganz ehrlich – die Monogamie funktioniert nicht wirklich, oder? Die Scheidungsquote ist hoch und in meiner Arbeit als Affären-Managerin habe ich es jeden Tag mit Fremdgehen und Betrug zu tun. Auch wenn es keine validen Zahlen gibt, wird vermutet, dass jeder Zweite schonmal fremdgegangen ist.

Friedemann Karig schreibt in seinem Buch „Wie wir lieben“* vom Ende der Monogamie. Da ist es kein Wunder, dass die Menschen nach anderen Lösungen und alternativen Beziehungsmodellen suchen. In diesem Beitrag gebe ich dir eine Übersicht über die wichtigsten Beziehungsmodelle, sowie meine Pro und Contra Einschätzung dazu.

Warum braucht es ein Konzept?

Wofür brauchen wir überhaupt solche Schubladen? Ist es nicht völlig egal, wie unsere Beziehung der Definition nach heißt? Können wir uns nicht einfach lieben, ohne das einzuordnen und mit einem Label zu versehen?

Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist ein menschliches Grundbedürfnis und wir alle suchen Gleichgesinnte, in deren Gesellschaft wir uns zugehörig und „richtig“ fühlen. Daher liebt unser Gehirn Schubladen, in die wir uns selbst und andere einsortieren können.

Ohne Bezeichnung oder Zuordnung fühlen wir uns verwirrt oder verloren. Ich selbst komme regelmäßig an diese Stelle, weil meine Beziehung so individuell ist, dass wir uns schwer tun, uns irgendwo einzusortieren. Meinem Mann ist das völlig egal, ich gerate jedoch immer mal in Erklärungsnot, weil wir in keine dieser Schubladen passen.

Nicht Fisch, nicht Fleisch – Wo gehöre ich hin?

Da ich sehr häufig interviewt werde, ist es für mich, bzw. meine Interview-Partner wichtig zu wissen, welches Beziehungsmodell ich selbst lebe. Und auch für meine Coaching-Kunden ist es hilfreich, da sie mich buchen, gerade WEIL ich eigene Praxiserfahrung mit in die Beratung einfließen lassen kann.

Meine Neugierde sorgt dafür, weit über meinen Tellerrand hinaus zu schauen und Ideen in die Tat umzusetzen, auch wenn sie sich später als nicht so cool herausstellen. Doch das macht meine Partnerschaft aus. Wir sind offen, wir sind neugierig, wir geben dem Anderen die Freiheit, sich selbst zu verwirklichen und wissen aber immer, wo wir hingehören.

Da gibt es mal andere Menschen, meistens aber nicht. Wie ich in meinem Vortrag bei Gedankentanken erzählt habe: „Ich bin gern monogam. Meistens.“

Zu monogam oder zu offen?

Kürzlich wurde ich in eine bekannte Talkshow als Interview-Gast eingeladen und nach einem Erstgespräch wieder ausgeladen. Mit der Begründung, ich wäre zu monogam. Sprich, wir vögeln zu wenig andere Menschen um TV-tauglich zu sein.

Auf der anderen Seite bekomme ich wütende E-Mails mit heftigen Drohungen, weil meine Art zu denken (und darüber zu schreiben) viel zu offen und zu locker wäre und ich meinen Lesern einen Freibrief zum Fremdgehen erteilen würde.

In der Polyamorie-Gruppe auf Facebook erlebte ich kürzlich einen krassen Shitstorm, weil ich Verständnis für Menschen habe, die ihren Partner belügen und betrügen. Egal, was ich mache und in welcher Schublade ich gerade unterwegs bin, ich beziehe Prügel ;-).

Es gibt keine Wahrheit

Nichts ist wahr. Es gibt keine Wahrheit. Wir glauben zu wissen, wie die Welt funktioniert, doch es sind nur Geschichten, die uns erzählt wurden. Die großartigen Hörbücher von Yuval Noah Harari „Eine kurze Geschichte der Menschheit“* und „Homo Deus“* haben mir diesbezüglich nicht nur die Augen geöffnet, sondern mir sogar kurzzeitig den Boden unter den Füßen weggezogen.

Er macht unerbittlich deutlich, dass alle Ideale, die wir anstreben, keine allgemein gültige Wahrheit darstellen. Nicht der Humanismus, auch nicht der Liberalismus, keine Religion dieser Welt und auch nicht die Idee, dass wir alle glücklich sein sollen.

Und auch nicht die Monogamie oder eine andere Beziehungsmodelle. Das schöne daran ist, dass wir die Wahl haben. Wenn auch leider nicht uneingeschränkt. Denn wir alle sind in eine Welt geboren worden, in der die Monogamie als einzig wahre Beziehungsform gilt.

Beziehungsmodelle – zwei Hauptkategorien

In meiner Erfahrung und Beobachtung von Hunderten von Beziehungen stelle ich zwei verschiedene Typen von Beziehungsmodellen fest:

  1. Fundamentalistische Konzepte mit starren Regeln und heftiger Verurteilung (und Bestrafung) von Regelverstößen. Hier gilt Konzept vor Mensch, die Haltung ist extrem und verbissen. Die Menschen trennen sich lieber vom Partner, als von ihren Idealen.
  2. Liberale Konzepte mit verhandelbaren und flexiblen Regeln und Verständnis für den Anderen. Der Mensch ist wichtiger als das Konzept, die Haltung ist liebevoll und offen. Die Menschen hinterfragen eher ihre Ideale als ihren Partner.

Falls du meinem Blog schon länger folgst, weißt du, dass ich meine gesamte Arbeit darauf ausrichte, Menschen dabei zu unterstützen, eine verständnisvolle und liebevolle Haltung einzunehmen und die Verbissenheit bleiben zu lassen. Aus dem einfachen Grund, dass es das Leben so viel leichter und witziger macht, wenn wir alle lockerer sind.

Das bedeutet nicht, dass du dich von einem Konzept überzeugen bzw. überreden lassen musst, oder dich für deinen Partner verbiegen sollst. Du darfst deine Ideale sauber hinterfragen und überdenken, du musst sie aber nicht verraten.

Beziehungsmodelle – Die Vielfalt der Beziehungskonzepte

Idealisierte Monogamie oder geschlossene Beziehung

Liebe und Sex gib es zwischen zwei Menschen. Ende Gelände. Weitere Partner dürfen keine Rolle spielen. Weder emotional noch sexuell. Keiner darf rein, keiner raus ;-). Das ist das Beziehungsmodell, welches wir AUTOMATISCH vorgelebt bekommen. 

Früher war das mal Treue und Liebe mit einem einzigen Partner ein Leben lang. Heute ist es Treue und Liebe mit einem Partner gleichzeitig. Die sogenannte „Serielle Monogamie“ ist die derzeit meist gelebte Beziehungsform in der westlichen Welt.

  • Pro: Es gibt Vorbilder, gesellschaftlich anerkannt, einfach, sicher, innerhalb der Komfortzone, tiefes Einlassen auf den Partner, keine Ablenkungen oder Störungen von außen
  • Contra: Oft verbissen, Regelverstöße werden mit Trennung bestraft, einengend, kein Raum für anderweitige Bedürfnisse und Wünsche, Langeweile, Sexkrisen, Partner wird selbstverständlich

Fremdgehen & Betrügen

Die Partner leben eigentlich monogam und halten Treue für wichtig und erstrebenswert. Sobald eine weitere Person oder das Bedürfnis nach Fremdsex auftaucht, nimmt sich einer (oder beide) die Freiheit, ohne das Wissen des Anderen Liebe und/oder Sex mit anderen Menschen zu erleben.

  • Pro: Einfacher als eine offene Beziehung, Erfüllung von Bedürfnissen ohne Konsequenzen (solange es heimlich bleibt), intensive Gefühle einer Affäre, der Reiz des Verbotenen, Gehirngerecht
  • Contra: Tiefer Schmerz und heftige Krise wenn es auffliegt, Trennungsgefahr, Zerrissenheit, Vertrauensbruch, gesellschaftlich höchst verwerflich

Quasi monogam oder monogamisch

Beide Partner leben grundsätzlich treu, wissen jedoch, dass es (emotionale und/oder sexuelle) Bedürfnisse außerhalb der Partnerschaft geben kann und reden offen darüber. Sie geben sich die Möglichkeit, Erfahrungen und andere Beziehungsmodelle auszuprobieren.

Manchen Paaren ist es lieber nicht zu wissen, was der Andere genau treibt und vereinbaren das Modell „Don’t ask, don’t tell“. Sie erlauben sich gegenseitig, Affären oder Seitensprünge zu haben, ohne darüber zu sprechen.

  • Pro: Ehrlicher und offener als die Idealisierte Monogamie, schließt (gelegentliche) Bedürfnisse mit ein (anstatt aus), individuelle und flexible Regeln
  • Contra: Anspruchsvoller, Eifersucht kann eine Rolle spielen, es gibt keine Vorbilder, jeder Schritt kann auch nach hinten los gehen, ein Experiment mit offenem Ausgang

Swinger

Partner gehen gemeinsam oder getrennt in Swingerclubs oder auf private Swinger-Partys, tauschen hauptsächlich sexuelle Aktivitäten mit verschiedenen, mitunter auch fremden Personen aus, im gegenseitigen Einverständnis. Das Grundmotto lautet: „Alles kann, nichts muss!“

  • Pro: Ehrlich, locker und offen, unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse können ausgelebt werden, Spannung für das eigene Sexleben, Sexpositiver Kontext und Kontakte, Neugierde wird befriedigt.
  • Contra: Anspruchsvoll wenn ein Partner sehr viel aktiver sein möchte, als der andere, Eifersucht, erfordert viel Vertrauen zwischen den Partnern, „normaler“ Sex kann langweilig werden

Falls du neugierig bist auf die Swingerszene empfehle ich dir das tolle Buch von Lotta Frei „Die Swingerbibel“*.

Offene Beziehung

Die Partner erlauben sich, Affären oder Seitensprünge und ONS (OneNightStands) zu haben, reden offen und ehrlich darüber, legen ihre eigenen Regeln fest und handeln im gegenseitigen Einvernehmen. Sexuelle und emotionale Verbindungen außerhalb der Beziehung sind möglich, je nach Absprache. Die eigene Beziehung hat immer Vorrang (Hauptbeziehung).

  • Pro: Offen und ehrlich, Bedürfnisse können angesprochen und ausgelebt werden, Spannung für das eigene Liebesleben, Erweiterung der Komfortzone, hohes Entwicklungspotential
  • Contra: Anspruchsvoll, Eifersucht, Zeitversatz bei Affären, Sex innerhalb der Beziehung wird vernachlässigt, gesellschaftlich nicht anerkannt, Liebeskummer am Ende einer Affäre

Zu diesem Thema habe ich mehrere Artikel geschrieben und ein Podcast-Interview mit der tollen Anna Zimt geführt:

Polygamie (Monogamie Gegenteil)

Polygamie bedeutet „Vielehe“ und ist in Deutschland verboten. Der Begriff wird umgangssprachlich als das Gegenteil von Monogamie für alle offenen Konzepte verwendet.

Polyamorie

BeziehungsmodelleÜber polyamore Beziehungen habe ich kürzlich einen ganzen Artikel geschrieben >> HIER entlang. Polyamorie bedeutet mehrere vollwertige Liebesbeziehungen gleichzeitig zu führen. Wichtig ist in diesem Konzept die absolute Offenheit und Ehrlichkeit.

Es gibt die Polyfidelity oder sogenannte „Triade“, in welcher drei Personen eine Beziehung untereinander führen. Poly Beziehungen können hierarchisch sein (mit Haupt- und Nebenbeziehungen) oder egalitär.

Hier bin ich mittlerweile leider etwas negativ eingestellt, nachdem ich kürzlich die Erfahrung mit dem Shitstorm machen musste. Hier geht definitiv Konzept über Menschlichkeit. Die Verbissenheit der Polys ist genau so krass, wie bei den idealisierten Monos. Doch sie verkleiden es im Mantel der Offenheit. Halte ich persönlich für verlogen.

  • Pro: Offen und ehrlich, hohe Kommunikationsbereitschaft, Engagement, alle Bedürfnisse und Partner werden integriert
  • Contra: Fundamentalistische Bewegung, zeitintensiv, gesellschaftlich nicht anerkannt, nur möglich innerhalb der Community, weil sich alle an die gleichen Regeln halten müssen

Beziehungsanarchie

In der Beziehungsanarchie gilt völlige Freiheit. Jede Beziehung ist individuell, Freundschaften oder Liebesbeziehungen werden nicht unterschieden, Schubladen gibt es nicht. In der Beziehungsanarchie ist alles erlaubt, Regeln und Normen gibt es nicht.

  • Pro: Individuell, völlig frei und selbstbestimmt
  • Contra: Ich vermute, dass nur wenige Menschen damit klar kommen, weil das Gehirn so nicht funktioniert

Beziehungsmodelle Fazit

Die meisten Menschen leben seriell monogam und betrügen sich eher, als dass sie offen miteinander reden und versuchen, ihre Bedürfnisse zu kommunizieren. Für mich ist das nicht weiter verwunderlich, denn unser Gehirn ist dafür gemacht, Schmerz zu vermeiden, Lust zu gewinnen und energiesparend zu arbeiten.

In unserer hoffnungslosen Hollywood- und Disney-Romantik gibt es keinen Platz für Ehrlichkeit und Andersartigkeit. Die meisten haben völlig überzogene Erwartungen an eine Beziehung und das KANN gar nicht gut gehen. Je höher die Wolke 7 hängt, desto tiefer der Sturz im Falle von Untreue.

Mut und Disziplin

Jedes alternative Beziehungskonzept kostet Zeit, Energie und die Bereitschaft, sich mit dem eigenen Schmerz auseinander zu setzen. Treue verlangt, den Lustgewinn zu unterdrücken. Das widerspricht der Funktionalität des Gehirns. Um hier andere Ergebnisse zu erzielen braucht es extrem viel Mut oder Disziplin.

Ich selbst sortiere mich aktuell in die Schublade „monogamisch“ ein. Das trifft es wohl am ehesten. Wir waren schon sehr viel offener, fanden es aber auf die Dauer zu anstrengend. Mir persönlich ist die Offenheit im Kopf viel wichtiger als die Offenheit im Bett.

Mein Wunsch wäre es, dass jeder seine Beziehung ganz individuell nach den eigenen Wünschen gestalten könnte. Dass Partner bereit sind sich zuzuhören und wenn mal etwas daneben geht, verzeihen können.

Schön wäre, wenn sich jeder um sein eigenes Beziehungmodell kümmert und alle anderen in Ruhe ihren eigenen Weg finden lässt. Ohne Verurteilung, ohne Verbissenheit, ohne Strafe. Das wär toll.

Leben darf leicht gehen und Spaß machen. Liebe auch!

Herzlichst,
Melanie

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