Seitensprung beichten? Sinnvoll oder nicht?

Episode 013: Seitensprung beichten? Sinnvoll oder nicht? In einer Beziehung ist totale Ehrlichkeit voll wichtig und Paare sollten sich immer alles erzählen. Wirklich? Manchmal ist es besser, die Klappe zu halten.

Seitensprung beichtenStändig höre ich, wie wichtig es ist, in einer Partnerschaft vollkommen ehrlich zu sein. Fremdgehen und etwas zu verheimlichen scheint sowas wie die achte Todsünde zu sein. Daher soll der/die Betrüger/in auch bitte in der Schuldgefühle-Hölle schmoren, bis er/sie schwarz wird.

Es geht sogar soweit, dass Menschen allen Ernstes glauben, das Recht zu haben, das Handy der Partnerin oder des Partners durchsuchen zu dürfen. Sobald ein begründeter Verdacht für Untreue oder Unehrlichkeit vorliegt, lässt sich das wunderbar mit dem Gewissen vereinbaren.

Die gängige Meinung ist, dass es in einer glücklichen Partnerschaft keine Geheimnisse geben darf. Und wenn schon fremdgegangen wird, sollte der Partner den Seitensprung beichten. Das ist nicht immer die beste Idee – glaub mir!

Schnüffeln im Handy des Partners – ok oder tabu?

„Zeig mir sofort dein Handy“, völlig aufgelöst weckt er sie mitten in der Nacht. „Ich hab es nicht hier, es liegt wohl noch unten“, antwortet sie verschlafen und weiß gar nicht, was überhaupt los ist. „Du hast sicher wieder Nachrichten gelöscht“, wirft er ihr böse vor, worauf sie nur müde den Kopf schütteln kann.

Vor kurzem hat er herausgefunden, dass sie mit einem Kollegen mehr als nette Nachrichten austauscht und ist rasend vor Eifersucht. Ihr Handy zu durchforsten ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Diese Beziehung ist bereits dem Untergang geweiht und mit jeder dieser Aktionen bestärkt er sie mehr, ihn endlich zu verlassen (das Pferd war bereits tot, bevor sie sich fremdverliebt hat).

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß

Als wir unsere Beziehung geöffnet haben, haben wir besprochen, dass wir gar nicht wissen wollen, was der andere so treibt. In meiner Situation ist es jedoch blöd, weil mein Mann ja alles auf meinem Blog nachlesen kann. Daher macht es für uns sehr viel mehr Sinn, offen zu sein und ehrlich zu kommunizieren.

Und auch nur durch seine Erzählungen über andere Frauen kann ich an meine Grenzen stoßen, meine Eifersucht spüren und darüber hinaus wachsen. Was ich nicht weiß, belastet mich nicht, ich entwickle mich aber auch nicht weiter. Wenn ich keine Ahnung davon habe, was mir Angst macht, kann ich mich nicht damit beschäftigen.

Und doch müssen wir nicht ALLES wissen und wenn es ein unbedeutender Seitensprung war, behalten wir den für uns. Das haben wir so besprochen und ist für uns eine praktikable Lösung.

Name it – tame it

Was wir benennen können, können wir zähmen. Viele Betrogene beklagen, dass sie keine Chance hatten entgegen zu steuern, weil sie nichts von der Affäre wussten. Anstatt zu kommunizieren, hat er/sie den feigen Weg gewählt und ist heimlich fremdgegangen. Hätte er früher mal den Mund aufgemacht, hätten sie das Drama abwenden können.

In meiner Arbeit erlebe ich oft, dass eine Fremdliebe oder eine Affäre die Konsequenz daraus ist, dass BEIDE(!) Partner über einen langen Zeitraum kaum oder überwiegend negativ miteinander gesprochen haben. Sie haben sich viel zu wenig um ihre Beziehung gekümmert, sich gegenseitig mehr kritisiert als ermutigt und sich beim Erreichen ihrer Träume eher behindert, als unterstützt.

Seitensprung beichten? Kaum jemand kann Ehrlichkeit wirklich vertragen

Ein Klient erzählt stolz, dass er viele Kilos abgenommen hat, sich großartig fühlt und jede Menge Komplimente bekommt. Nur nicht von seiner Ehefrau. Sie hat ihn zu keiner Zeit bestärkt, als er schlanker wurde und mehr Sport getrieben hat. Seine Sekretärin schon. Sie haben sich schon immer gut verstanden und irgendwann ist er in eine Affäre mit ihr „geschlittert“.

Abgesehen davon, dass er es selbst kaum bemerkt hat, wie schmerzhaft das Verhalten seiner Frau war, hätte sie nicht wirklich die Wahrheit hören mögen, geschweige denn ernsthaft etwas an ihrem Verhalten geändert, bevor die Affäre aufgeflogen ist. Und auch jetzt ist er der Böse und einzig Schuldige und sie hat damit nichts zu tun.

Ehrlichkeit sich selbst gegenüber

An der großen Erwartung, dass der Partner immer ehrlich sein sollte, stört mich persönlich, dass kaum jemand ehrlich zu sich selbst ist. Wer gesteht sich denn selbst entspannt und locker ein, dass er/sie Lust auf fremde Haut hat? Wer traut sich zu denken, dass ein Flirt oder eine Affäre höchst prickelnd und anregend wäre?

Monogamie ist eine Entscheidung, doch wird sie in unserer Gesellschaft als absolutes, immer gültiges Gesetz angesehen. Treue ist ein unantastbarer Wert. Einmal Treue geschworen, darf niemand diese Meinung jemals wieder ändern. Im Laufe einer Beziehung ändert sich jedoch eine ganze Menge, womöglich sogar der Wunsch nach sexueller Exklusivität. Doch erlebe ich selten, dass diese Veränderung mit offenen Ohren aufgenommen wird.

Wann bin ich ehrlich und wann halte ich besser die Klappe?

KommunikationDemnächst besuche ich das großartige House-Music-Festival „Echelon“ und freue mich riesig darauf. Es findet ganz in meiner Nähe statt, schon seit zwei Jahren möchte ich gerne live dabei sein. Vor vielen Jahren war ich auf der Love Parade in Berlin und habe seither keine Veranstaltung dieser Art mehr besucht.

Mein Mann hat angeboten, mich abzuholen. Ich hab dankend abgelehnt, weil ich nicht genau weiß, in welchem Zustand ich nach der Party bin. Das Echelon ist Teil meiner Löffel-Liste (was ich erlebt haben möchte, bevor ich den Löffel abgebe). Ich will frei sein heftig zu flirten und intensiv zu feiern. Was auch immer das genau heißen mag. Jedenfalls will ich mich nicht zusammen reißen müssen.

Immer wieder fragen mich im Coaching meine Klienten, ob sie einen Seitensprung beichten sollen, oder lieber nicht. Mein TIPP: Wenn du eine gute Zeit hattest und die Liebelei keine Relevanz für deine Beziehung hat – Klappe halten! Manchmal ist es wertschätzender, dem Partner NICHT die blanke Wahrheit zuzumuten.

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Dummerweise hab ich ihm das auch genau so gesagt und jetzt quält er sich mit (vermutlich) unnötigen Ängsten. Hier hätte ich definitiv besser meine Klappe gehalten. Mein Mann muss eben nicht ALLES wissen und mir ist es wichtig, dass ich meine Geheimnisse haben darf.

Wir haben beschlossen, dass wir einander grundsätzlich vertrauen. Der andere wird schon wissen, was er tut und was ihm gut tut. Jeder von uns übernimmt die volle Verantwortung für sein eigenes Leben und entscheidet selbst, welche Risiken er eingeht und welche nicht. Wir kontrollieren uns gegenseitig nicht und das Handy des anderen ist tabu.

Die 7 Todsünden

Jetzt mal wirklich ganz ehrlich – die sieben Todsünden sind mir besser bekannt, als mir lieb ist. Ich bin manchmal stolz und hochmütig, auch wenn ich es gar nicht sein möchte. Geiz und Habgier kann ich leider auch nicht völlig von mir weisen, genauso wenig wie Wolllust (wobei die meinem Mann sehr gut gefällt). Ich bin immer mal wieder zornig und von „meinen Betrogenen“* weiß ich, dass Rachsucht ein starkes Gefühl ist, nachdem eine Affäre aufgeflogen ist.

Von der Völlerei kann ich mehrere Lieder singen. Ich liebe es, mich zu betrinken und maßlos viel mehr zu essen, als mir wirklich gut tut. Neidisch bin ich auch immer wieder und obwohl ich wirklich fleißig bin, kann ich auch eine gewisse Faulheit (Bequemlichkeit) nicht immer vermeiden.

Jeder Mensch lügt jeden einzelnen Tag und das ist auch gut so. Eine totale Ehrlichkeit würde unser soziales Leben in ein krasses Chaos stürzen und einen Seitensprung oder eine Fremdliebe zu beichten ist nicht immer die bessere Variante.

Offenheit wird völlig missverstanden

Eine glückliche Beziehung bedeutet nicht, dass wir unser Recht auf Privatsphäre aufgeben. Eine offene Kommunikation bedeutet nicht, immer alles bequatschen zu müssen. Eine wirkliche Offenheit erlebe ich höchst selten bei den Menschen. Kaum jemand gesteht sich selbst und vor anderen ein, fehlbar zu sein, verwerfliche Eigenschaften zu haben und blöde Dinge zu tun.

Die Betrogenen betonen stets, dass ihnen das niemals hätte passieren können und sie sich selbst völlig unter Kontrolle hätten. Schon klar… Allein diese Haltung verhindert bereits eine wirklich ehrliche Kommunikation.

„Eine offene Kommunikation braucht die Offenheit BEIDER Partner.“

Die Offenheit für ungewöhnliche Ansichten, die Offenheit für eine Veränderung in der Beziehung, die Offenheit für die negativen Seiten des Anderen und die Offenheit sich selbst gegenüber.

Kommunikation, die wirklich glücklich macht

Eine gute Kommunikation in der Beziehung heißt nicht, keine Geheimnisse zu haben und sich immer alles sagen zu müssen. Eine glückliche Beziehung entsteht, wenn beide Partner weise und achtsam in jeder Situation neu entscheiden, ob Ehrlichkeit ODER Klappe halten zielführender ist. Dafür ist es wichtig, die eigenen Ziele und Wünsche zu kennen, die des Partners und die gemeinsamen Ziele klar zu haben.

Eine gute Kommunikation ist gütig, großzügig und positiv. Eine offene Kommunikation hat nichts mit Kontrolle zu tun, sondern mit Vertrauen und Liebe. Es stellt sich nicht die Frage, ob dein Partner dir alles erzählen muss. Es stellt sich die Frage, ob er dir alles erzählen könnte, wenn er wollte.

Leben darf leicht gehen und Spaß machen. Liebe auch!

Herzlichst
Melanie

* „Meine Betrogenen“ = Die Teilnehmerinnen des Online-Programms „Back to Love“.

PS. Back to Love ist ein Training, welches den Teufelskreis aus Schuldzuweisung, Rache und fehlendem Vertrauen durchbricht. Ich habe es entwickelt, um Betrogene zu unterstützen, zurück zur Liebe zu finden, sich wieder für Sex und Intimität zu öffnen und wieder vertrauen zu können. Schreib mir, wenn es dich interessiert.

PPS. Wenn du eine Herausforderung in deiner Beziehung zu meistern hast und dich alleine im Kreis drehst, bin ich der richtige Ansprechpartner für dich. Gerne unterstütze ich dich, neue Lösungen zu finden und mehr Lebensfreude und Liebe zu leben. Arbeite mit mir :-). Das lohnt sich!

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