Notorische Fremdgeher: Die systemischen Ursachen – Von Manuela Komorek

Fremdgehen systemisch betrachtet
Fremdgehen systemisch betrachtet

„Oh je, das klingt nach dem Ende dieser Beziehung“, denke ich und vermute, dass die Gruppe dasselbe denkt. Als Paartherapeutin leite ich ein Aufstellungsseminar. Gerade haben Katrin* und Patrick* ihr Anliegen vorgebracht: Notorische Fremdgeher: Er gehört wohl dazu.

Katrin: „Wir sind seit 12 Jahren zusammen und in dieser Zeit hat Patrick mich mit mindestens vier verschiedenen Frauen betrogen. Wir lieben uns, aber jetzt ist es schon wieder passiert und ich weiß nicht, ob ich das nochmal aushalte.“

 

Patrick: „Ich liebe Katrin sehr, aber die sexuelle Leidenschaft ist nicht mehr da. Vor allem Katrin hat nie Lust. Immer wieder treffe ich andere Frauen, die mich sexuell reizen. Es ging dabei nie um Liebe. Aber jetzt habe ich mich in eine andere Frau verliebt.“

Fremdgehen mit Erlaubnis?

Er hält kurz inne und schaut unsicher zu Katrin hinüber. „Ich möchte mich nicht leichtfertig von Katrin trennen, schon wegen unserer Tochter. Aber ich will diese andere Frau lieben dürfen.“ Das klingt fast trotzig, wie ein Kind, dass noch ein Eis will, obwohl es schon eins hatte.

„Wir beide schaffen es nicht, eine gute Lösung zu finden“, erzählt Patrick weiter, „wir streiten uns fast immer, sexuell läuft gar nichts mehr und Katrin weint ständig.“

Katrin sitzt neben Patrick und weint leise vor sich hin. Komisch, ich habe kein Mitleid mit ihr. Ich schaue sie an und fühle nichts. Normalerweise bin ich sehr empathisch und fühle schnell eine ähnliche Trauer oder Verzweiflung wie meine Klienten. Wenn dem nicht so ist, weiß ich, dass hinter den Gefühlen außer dem Fremdgehen noch etwas anderes steckt.

Was zeigt sich in der Aufstellung?

Katrin wählt eine Frau aus der Gruppe, die sich nun stellvertretend für sie in den Raum stellen wird. Patrick tut das gleiche. Ich bitte zuerst Patrick die Stellvertreter in Beziehung zueinander zu stellen.

Er stellt seinen Stellvertreter mit dem Rücken zu Katrin, dieser schaut irgendwie verträumt in die Ferne. Die Stellvertreterin von Katrin stellt er hinter ihn, so dass sie ihm auf den Rücken starrt.

Ich frage Katrin, ob das Bild für sie so stimmig ist. Als sie verneint, bitte ich sie, die Position ihrer Stellvertreterin so zu verändern, dass es für sie passt. Sie geht hin und dreht ihre Stellvertreterin um, so dass jetzt beide mit dem Rücken zueinander stehen und jeweils in die entgegengesetzte Richtung blicken.

Stellvertreter fühlen sich ein

Ich fordere die Stellvertreter von Katrin und Patrick auf, sich in die Position einzufühlen, ohne etwas zu sagen oder zu verändern. „Die beiden können sich gar nicht sehen“, sage ich. „Ihr habt äußerlich vielleicht eine Beziehung aber innerlich seht ihr euch gar nicht, ihr seid auf etwas ganz anderes ausgerichtet.“ Beide nicken, Katrin hört auf zu weinen.

Nun bitte ich zwei weitere Stellvertreter, sich vor Katrin und Patrick zu stellen mit der Anweisung, „du bist der- oder diejenige, worum es eigentlich geht.“

Jetzt kommt Bewegung in die Situation. Katrins Stellvertreterin will nur weg, am liebsten ganz aus dem Raum verschwinden. Patricks Stellvertreter möchte zu der Person, um die es eigentlich geht.

Dann wende ich mich wieder Katrin und Patrick zu und frage: „Was wisst ihr über eure Familiensysteme? Gibt es schwere Schicksale oder ausgegrenzte Mitglieder?“

Das Familiensystem

Es gibt einiges! Früh verstorbene Geschwister, ein uneheliches Kind des Vaters und  immer wieder Außenbeziehungen, vor allem bei der Großelterngeneration von Katrin. Aber auch im System von Patrick.

Es sieht so aus, als ob sich hier zwei passende Systeme gefunden haben, die ganz ähnliche Geschichten erlebt haben. Ehrlich gesagt wundert mich das nicht, denn das zeigt sich sehr oft in den Aufstellungen, dass zwei Menschen ein Paar werden, deren Familiensysteme sich gegenseitig ergänzen.

Aufstellungen bringen ans Licht, wie stark wir eingebunden sind in das System und wie schwer es ist, wirklich frei zu leben und zu lieben. Wir finden uns oft in einem totalen Gefühlschaos wieder und kommen nicht zur Ruhe.

Genau hinzuschauen erfordert Mut

Das unerklärliche Bedürfnis, aus langjährigen Beziehungen zu flüchten, oder sich ständig mit Partnern einzulassen, die uns eindeutig nicht gut tun, kommt häufig aus dem Familiensystem. Etwas will gesehen werden, was ausgeklammert, verschwiegen oder verachtet wurde und noch wird.

Wenn wir den Mut haben, ganz genau hin zu schauen, und die Gefühle von Trauer, Schmerz, Schuld und Scham aushalten, dann haben wir eine große Chance, frei von diesen Verstrickungen zu werden.

Als Katrin schließlich am Ende der der Aufstellung vor dem Stellvertreter ihres früh verstorbenen Bruders in Tränen ausbricht, ist die Gruppe zutiefst berührt und auch ich fühle ihren Schmerz und die Trauer. Jetzt wird auf einmal deutlich, wohin ihre Tränen eigentlich gehören.

Wie geht es weiter?

Nach dem Seminar gönnen sich Katrin und Patrick eine Auszeit von ihrer Beziehung. Beide wollen sich in Ruhe klar darüber werden, ob sie an der Ehe festhalten wollen oder nicht.

Vor allem Patrick will diese Auszeit, denn in der Aufstellung zeigte sich, dass er unbewusst stellvertretend für seinen Vater nach dessen früherer Geliebten gesucht hat. Die nächste Begegnung mit seiner neuen Liebe ist vollkommen anders als vorher und er beendet diese Beziehung.

Katrin und Patrick brauchen noch einige Krisen und weitere Aufstellungen. Aber schließlich entscheiden sie sich, zusammen zu bleiben und für ihre gemeinsame Zukunft zu kämpfen. Nach einigen wirklich ehrlichen Gesprächen unter anderem in Form des Zwiegesprächs nach Michael Lukas Möller, kommt sogar die Lust wieder und ihr Umgang miteinander wird sehr viel lebendiger und leichter.

Einmal Schürzenjäger – Immer Schürzenjäger?

Natürlich guckt Patrick immer noch nach attraktiven Frauen, aber er weiß, dass es neben der Lust auf eine sexuelle Begegnung und der Freude am Verliebtsein auch einen anderen Grund gibt, warum er sich von Frauen angezogen fühlt und kann entscheiden, ob er wirklich fremdgehen will, oder nicht.

Seither ist die Versuchung nie mehr so stark gewesen, dass er sich ihr hingeben wollte. Viel wichtiger ist ihm inzwischen das Gespräch mit Katrin, die offen bleibt, ohne sich in Tränen zu verlieren. Das tut beiden gut und sie spüren eine immer tiefere Liebe zueinander.

Polyamorie – doch noch eine Option?

Kürzlich hat Katrin einen Mann kennen gelernt, der sich sehr für sie interessiert und sie darüber nachdenkt, dass Polyamorie vielleicht doch gar nicht so schlecht wäre. Im Gespräch mit Patrick sind sich beide einig, dass sie dafür (noch) nicht bereit sind.

Katrin und Patrick sind glücklich darüber, dass sie so offen miteinander sprechen können. Das hätten sie niemals für möglich gehalten! Den Grund dafür sehen sie in der gemeinsamen Erfahrung im Aufstellungsseminar, denn dort konnten sie sehen, dass sie beide eingebunden sind in Familiensysteme, die sie nicht unter ihrer Kontrolle hatten.

Jetzt fühlen sie sich sicherer und haben dadurch einen viel größeren Spielraum, sich für oder gegen etwas zu entscheiden. Mittlerweile brauchen die zwei keine Aufstellungsseminare mehr, um zu wissen, wie sie gerade zueinander stehen. Eine Außenbeziehung ist nun keine Gefahr mehr für ihre Liebe.

Bist du bereit, dein Familiensystem zu beleuchten?

Wer in einem totalen Gefühlschaos steckt, in einem Fremdgeh-Drama oder mit dem Thema Partnerschaft Leid und Schmerz verbindet, sollte sich diesen Blick auf das eigene Familiensystem gönnen.

Für alle, die sich jetzt angesprochen fühlen, habe ich den Aufstellungskongress zum Thema Paarbeziehung organisiert. Die Teilnahme ist zu 100 % kostenlos und der Kongress findet bequem online bei dir zu Hause statt. Dort lernst du über 20 der besten Experten kennen, die bereits seit Jahren mit dieser genialen Methode arbeiten. Melde dich einfach HIER an.

Du bist herzlich willkommen.Manuela Komorek
Manuela Komorek

  • Systemische Paartherapeutin
  • Coach (IHK zertifiziert)
  • Heilpraktikerin für Psychotherapie

 

Sie sorgt mit ihrer Arbeit dafür, dass die Menschen zusammen bleiben, die zusammen gehören. Von ihr bekommen Sie kompetente Beratung in Beziehungskrisen. Auf ihrem Blog gibt es immer aktuelle Beiträge zu typischen Krisensituationen in modernen Beziehungen und das kostenlose Ebook „Crashkurs Partnerschaft“ zum sofortigen Download. www.systemischepaartherapie.com

* Namen geändert

PS. Ich habe selbst schon an Aufstellungen teil genommen und kann diese Methode voll und ganz empfehlen. Es ist erstaunlich, welche Verstrickungen sich lösen lassen und was manchmal zum Vorschein kommt. Probier das aus! Das lohnt sich!

PPS. Wenn du betrogen wurdest und wieder lieben und vertrauen möchtest, ist mein Online-Coaching-Programm „Back to Love“ genau für dich gemacht. In 10 Modulen lernst du viel über dich, über das Leben und Beziehungen und wie du neu und liebevoller mit der Krise fertig werden kannst. Ich freu mich auf dich!

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