Keine Lust auf Sex? 5 Lügen über das sexuelle Verlangen

Episode 002: Keine Lust auf Sex? Hier kommen 5 Lügen über Liebe und Lust, die uns ein erfülltes Sexleben kaputt machen.

Keine Lust auf Sex„Wir lieben uns sehr und verstehen uns wirklich gut. In allen Lebensbereichen. Ich verstehe überhaupt nicht, warum ich keine Lust auf Sex habe. Mein Mann ist wundervoll und ein toller Papa obendrein.“

„Streitet ihr oft?“, frage ich sie. Sie hat keine Lust auf Sex, obwohl sie ihren Partner liebt, das ist ein Zeichen für zu viel Harmonie. Denn Liebe heißt nicht unbedingt auch Lust.

„Nein! Überhaupt nicht. Wir sind ein sehr harmonisches Paar. Ich könnte es nicht ertragen, wie andere Paare sich oft anmotzen oder sich sogar anschreien. Schrecklich!“

Keine Lust auf Sex durch Baumwolle?

„Welche Unterwäsche trägst du?“

„Ach schon lange nur noch noch Baumwolle. Ich bin ja den ganzen Tag mit den Kindern Zuhause oder auf dem Spielplatz. Das ist viel praktischer, die Spitze zwickt immer so.“

„Wann warst du das letzte Mal alleine aus?“

„Das muss mindestens 5 Jahre her sein. Die Kleine schläft noch nicht durch, weißt du. Sie braucht mich oft mitten in der Nacht. Der Schlafmangel kommt natürlich noch dazu. Und ganz ehrlich, ich kann auch nicht mal schnell von Mama auf Sexbombe umschalten.“

Das schleichende Sterben der sexuellen Leidenschaft

„Was tust du denn, um dich sinnlich und erotisch zu fühlen?“

„Äääääh, wie? Nichts. Ich fühle mich nicht sinnlich. Irgendwo zwischen Windeln, Wäsche und Alltag ist das alles verloren gegangen. Mein Mann ist sehr geduldig mit mir, doch ich merke, dass er nicht glücklich ist. Irgendwie will ich das wieder hinkriegen. Ist das möglich?“

„Erinnerst du dich noch an den Anfang deiner Beziehung?“, lenke ich das Gespräch in eine andere Richtung.

Keine Lust auf Sex? Undenkbar damals…

„Natürlich!“ Ihre Stimme wird lauter und die Energie steigt deutlich. Das spüre ich auch durchs Telefon. „Am Anfang war es total spannend! Wir haben viele verrückte Dinge gemacht und uns immer wieder was Neues ausgedacht, um den Anderen heiß zu machen. Manchmal habe ich gar kein Höschen getragen, wenn wir unterwegs waren. Das fand er ganz toll, damals.“

Ich lasse sie einige Minuten aus dieser Zeit berichten, und merke, dass sie die Leidenschaft und die Begierde ebenso vermisst, wie ihr Mann. Nur ist es ihr (noch) nicht bewusst.

Heute möchte ich mit einigen Mythen über Leidenschaft und Sex aufräumen, die so vielen Paaren die Lust verdirbt.

5 Lügen über sexuelle Leidenschaft

1. Lüge: Sexprobleme sind eine logische Folge von Beziehungsproblemen

Manchmal ist das so, manchmal nicht. Die gängige Meinung ist, dass ein einer guten Beziehung der Sex auch gut sein müsste. Ist dem nicht so, stimmt etwas mit der Beziehung nicht.

Umgekehrt gehen wir davon aus, dass der Sex automatisch besser wird, wenn wir unsere Beziehungsprobleme in den Griff kriegen. Wenn wir besser kommunizieren, weniger streiten, mehr lieben und uns einig werden in der Kindererziehung, übertragen wir die Veränderungen vom Wohnzimmer direkt ins Schlafzimmer. Pustekuchen!

Keine Lust auf Sex durch zu viel Harmonie

Gerade die glücklichsten und harmonischsten Paare klagen über Lustlosigkeit und über ein unterschiedliches sexuelles Verlangen. Beziehungsarbeit verbessert die Beziehung, aber nicht das Liebesleben.

Meine große Jugendliebe war extrem leidenschaftlich und explosiv. Alle paar Monate haben wir uns getrennt, um kurz darauf festzustellen, dass wir ohne einander nicht leben können. Ein neuer Beziehungsstart ist stets mit Versöhnungssex in Urknall-Qualität einher gegangen.

Sexuelles Verlangen und Begehren nährt sich aus anderen Aspekten, als Liebe und Geborgenheit. Lust ist düster, dreckig, unsicher, neu, politisch unkorrekt und oft sogar verboten. Jede Affäre würde schnell langweilig, wenn sie erlaubt wäre und die selben Qualitäten bekäme, wie eine „richtige“ Beziehung.

2. Lüge: Die Leidenschaft geht in einer längeren Beziehung unweigerlich flöten

  • „Leidenschaft? Ach komm, sei doch mal realistisch.“
  • „Wir sind schon 10 Jahre zusammen, da ist halt keine Leidenschaft mehr da.“
  • „Gegen die Geliebte hab ich keine Chance.“
  • „Wir sind über 40, da ist das mit dem Sex nicht mehr so, wie mit 20.“

Diese Sätze höre ich ständig. Die Paare glauben wirklich, dass es nicht möglich ist, ein leidenschaftliches Leben zu führen und das Begehren in einer Langzeitbeziehung aufrecht zu erhalten. Viele resignieren und hören auf, nach Ideen zu suchen, wie sie ihre Sinnlichkeit wieder erwecken können. Viele Frauen haben keine Lust auf Sex und keine Idee, wo sie die wieder herholen sollen. Schade!

Die Sehnsucht nach verzehrender, zerstörender Lust

Aus meiner Sicht ist das der Grund, warum 50 Shades of Gray so erfolgreich ist. Diese aufzehrende, sich selbst verlierende Lust in dem Buch, bzw. dem Film erweckt eine Sehnsucht in den Menschen. Dabei geht es viel weniger um eine Sehnsucht nach Verhauen werden oder Schmerz, sondern um die Sehnsucht nach dieser ganz speziellen und intensiven Art von Leidenschaft.

Erotik und Sex haben viel mehr mit einer inneren Lebendigkeit und Energie zu tun, als mit einer Lust, die uns plötzlich überfällt und die von Außen zu kommen scheint. Die Leidenschaft geht deshalb verloren, weil wir nicht gelernt haben, das Kopfkino bewusst zu steuern und auf unsere Energie zu achten.

Stattdessen verurteilen wir auf Teufel komm raus diejenigen, die ihre Leidenschaften ausleben und sich die Lebendigkeit und Energie in einer Affäre holen.

3. Lüge: Fantasie ist nicht so wichtig

Die meisten Paare wollen nach zwei Kindern für immer nur mit einem Partner Sex haben, rein zum Vergnügen und für den Genuss. Ohne Fantasie, Imagination, Neugierde und Verspieltheit ist das nicht zu leisten. Fantasie ist der wichtigste Baustein, um das Verlangen langfristig aufrecht erhalten zu können.

Wir erwarten, dass unser Partner unsere Fantasie anheizt, dass das Kopfkino von selbst losgeht und wir automatisch angeturnt werden sollten.

„Wir wollen Leidenschaft konsumieren, aber nicht selbst erzeugen.“

Das funktioniert so herum nicht. Wir dürfen lernen, unsere Fantasie bewusst zu steuern, die Neugierde auf uns selbst und auf den Partner mit Absicht zu bewahren und spielerisch mit unserem eigenen Körper und mit dem Körper unserer Partner umzugehen.

Neugier und Kreativität erzeugt Verlangen

Am Beginn einer Beziehung legen wir uns ins Zeug, geben uns Mühe und sind kreativ im Geschenke ausdenken, erotische Situationen zu erschaffen und bei der Auswahl unserer Unterwäsche. Es fühlt sich so an, als würde das alles vom Partner ausgelöst werden und nicht in uns selbst entstehen. Nach der Verliebtheitsphase wird es anstrengend und die Motivation, sich besondere Dinge auszudenken, sinkt.

„Tiere haben Sex. Menschen haben ein erotischen Leben!“

Erotik ist transformierter Sex durch menschliche Fantasie. Die Fantasie erlaubt uns Dinge zu „erleben“, die nicht möglich sind. Z.B. Sex mit George Clooney oder dem verheirateten Nachbarn zu haben ;-).

Während meiner Fremdliebe hat mein Kopfkino erotische Blockbuster gezeigt, gegen die sich 50 Shades hätte verstecken können. Ohne Werbepause. Vermutlich wäre das echte Erleben nur ansatzweise an die Qualität meiner Träume herangekommen. Diese Zeit möchte ich niemals missen. Es war großartig. Auch heute helfen mir diese inneren Bilder und Filme, um meine Lust zu steigern.

4. Lüge: Kinder zerstören die Erotik

  • „Ich hab doch zwei Kinder. Wozu brauche ich jetzt noch Sex?“
  • „Wir haben Kinder. Heißes Liebesleben? Willst du mich veräppeln?“
  • „Ich hab keine Lust auf Sex, seit ich Kinder habe!“

Für viele Paare ist es leider langweilige Realität, dass sie ab dem ersten Kind keine Lust auf Sex mehr haben. Die erotische Energie scheint verpufft zu sein, auf nimmer Wiedersehen.

Oft ist es so, dass die erotische Energie umgelenkt und auf die Kinder projiziert wird. Mit den Kindern kuscheln und spielen wir, wir lassen uns kreative Geschenkideen einfallen, sie bekommen einen handgefüllten Adventskalender, neue Klamotten und aufregende Erlebnisse.

Gelegenheit macht Liebe – Kinder verknappen die Gelegenheit

Gleichzeitig werden durch Kinder unsere Ressourcen knapper. Wir haben weniger Zeit, weniger Geld, weniger Schlaf und weniger Energie. Und die knappen Ressourcen stecken wir in die Kinder und in die Familie. Die Partnerschaft und der Sex fallen hinten runter.

Wir dürfen verstehen, dass wir trotz Kinder nicht nur Eltern sind. Wir sind auch Individuen und Liebespartner. Die Identität ist entscheidend. Sind wir nur noch Eltern, bzw. eine Familie, greift eine uralte Programmierung, die uns vor Inzest schützt. Innerhalb einer Familie wollen wir keinen Sex haben.

Kinder per se zerstören unser Sexleben nicht. Sondern die Unfähigkeit unsere erotische Persönlichkeit neben der Elternrolle zu behalten.

5. Lüge: Untreue ist ein Indikator für Beziehungsprobleme

Das mag in vielen Fällen sogar stimmen. Doch dieses Thema hat sehr viel mehr Aspekte, als nur eine kaputte Beziehung. Sobald einer Fremdgeht heißt es, dass irgendetwas fehlt. In sich selbst, im Partner oder in der Beziehung. Wenn in der Beziehung alles passen würde, müsste er/sie nicht fremdgehen. SCHWACHSINN!

Kein Mensch auf dieser Welt ist so perfekt, kein Partner auf dieser Welt kann dir alles geben, keine Beziehung dieser Welt erfüllt alle Wünsche, Träume und Sehnsüchte. DAS IST NICHT MÖGLICH! Selbst in der glücklichsten Beziehung besteht weiterhin die „Gefahr“, dass einer fremdgeht, sich anderweitig verliebt oder einfach nur NEUEN Sex haben will.

Die Hollywood- und Disney-Romantik ist Bullshit

Wir fallen auf eine romantische Idee herein, dass wir den Traumprinz/die Prinzessin finden müssen und dann ist er/sie für immer alles für uns. Umgekehrt ebenso. Unser Partner hat uns erwählt, also sind wir für immer ALLES für ihn. Selbst wenn der Sex kaum noch statt findet, soll der Partner trotzdem NUR Augen für seine Liebste haben und alle anderen Frauen ignorieren.

Es ist völlig natürlich, dass wir uns von anderen Menschen angezogen fühlen. Es ist verständlich, dass wir ab und zu das Prickeln, die Neugierde, das Unbekannte und Mystische fühlen und erleben wollen. Viele Paare hängen jeden Abend vor dem Fernsehen ab. Wo bitte schön ist denn da Platz für Abenteuer? Die verbissene Forderung nach Treue erstickt das Verlangen auf Sex. 

Keine Lust auf Sex?

Stelle dir folgende Fragen und beantworte sie dir selbst so ehrlich wie möglich:
  • Betrifft die Lustlosigkeit nur meinen jetzigen Partner?
  • Was ist mit Flirts außerhalb meiner Beziehung?
  • Was macht mich an? Was macht mich neugierig?
  • Wie fühlt sich mein Körper an? Wie fühlt sich der Körper meines Partners an?
  • Welche Fantasien kann ich selbst erzeugen? Welche inneren Bilder und Filme kann ich sehen? Was hilft mir, diese Fantasien zu bekommen? Bücher, Filme, Flirts?
  • Was würde ich gerne erleben? Sex mit einem Fremden, an verrückten Orten, in der Öffentlichkeit, mit mehreren Personen, mit dem selben Geschlecht?
  • Was kann ich tun, um mich (wieder) sinnlich zu fühlen?
  • Wie wäre ein erfülltes Sexleben für mich? Was bedeutet Erotik für mich?
  • Was hab ich früher getan, um meinen Partner in den (positiven, lustvollen) Wahnsinn zu treiben?
  • Kannst ich mich einlassen? Hingeben? Genießen?

Es ist sehr viel weniger wichtig, wie oft du Sex hast, wie du Sex hast, wann du Sex hast, mit wem du Sex hast. Viel wichtiger ist, was du denkst, bevor und während du Sex hast. Deine Imagination, deine Genussfähigkeit, deine innere Sinnlichkeit helfen dir, das Verlangen auch in einer Langzeitbeziehung zu bewahren.

Ich wünsche dir von Herzen ein erfülltes Liebesleben, viel Spaß mit deinem Partner (oder mehreren ;-)), Neugierde und kindliche Verspieltheit.

Leben darf leicht gehen und Spaß machen. Liebe auch!

Herzlichst
Melanie

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