Generation Beziehungsunfähig – Und wie es trotzdem klappt

Generation BeziehungsunfähigEpisode 021: Generation Beziehungsunfähig – Warum das Blödsinn ist und wie du eine glückliche Beziehung führst, auch wenn dein Start ins Leben nicht ideal war.

  • Schaffst du es einfach nicht, eine langjährige Beziehung zu führen? 
  • Hältst du dich für beziehungsunfähig? Oder deinen Partner?

Im heutigen Beitrag widme ich mich der „Generation Beziehungsunfähig“ und wie du trotzdem dauerhaft glückliche Beziehungen führen kannst. Wenn du das willst ;-).

Trend-Thema Generation Beziehungsunfähig

Ok, ich gebs zu, ich bin manchmal naiv. Auf die Idee, dass eine ganze Generation beziehungsunfähig sein könnte, bin ich nicht gekommen.

Und das ist auch völliger Blödsinn! Es gibt keine Generation, die Beziehungsunfähiger wäre als eine andere.

Hier zeichnet sich ein Trend ab, der durch den Blogger und Autor Michael Nast geprägt wurde. Sein Blogbeitrag ist der erfolgreichste Online-Text 2015 und hat sogar sämtliche Server lahmgelegt.

Das dazugehörige Buch ist ein Bestseller und der Begriff „Beziehungsunfähig“ wird zu einer bequemen Ausrede, sich nicht den Herausforderungen einer längeren Partnerschaft stellen zu müssen.

Ist die Generation X besonders Beziehungsunfähig?

generation beziehungsunfähig podcastDer großartige Artikel der Körpertherapeutin Karin Klein hat mich dazu inspiriert, dieses Thema aufzugreifen. Sie hat über die Ursachen von Bindungsstörungen in der Generation X geschrieben und stellt damit die These auf, dass wir alle als Generation Beziehungsunfähig geboren wurden.

Die meisten von uns sind in einem Krankenhaus geboren. Wir wurden direkt nach der Geburt von Schwestern mitgenommen, vermessen und untersucht und in Plasikbetten in einen großen Baby-Schlafsaal gelegt. Es galt die Auffassung, dass es sinnvoll wäre, Babys schreien zu lassen, um sie nicht zu verziehen.

Gestillt wurden die wenigsten von uns, denn unseren Müttern wurde bereits im Wochenbett von den riesigen Vorteilen der Fertigmilch vorgeschwärmt. Die Industrie war damals schon schlau.

Meine Mama erzählt, dass Stillen völlig verpönt war und die Schwestern im Krankenhaus jeglichen Wunsch einer Mutter im Keim erstickt haben. Schlimmer noch, den Müttern wurden Schuldgefühle eingeredet, dass es verantwortungslos wäre, zu stillen.

Wann entsteht Bindung?

Wir wurden nicht direkt nach der Geburt von den Papas in den Arm genommen oder den Müttern auf den Bauch gelegt. Kaiserschnitte wurden unter Vollnarkose durchgeführt und Väter waren bei der Geburt überhaupt nicht dabei.

Bei meinen Kindern war bereits bekannt, dass eine optimale Mutter-Kind-Bindung sofort nach der Geburt erfolgt.

Ich hatte zwei Kaiserschnitte und wurde nach der Geburt erst einmal eine dreiviertel Stunde lang zugenäht. In dieser Zeit hatte mein Mann unsere Kinder auf seinem Bauch und konnte somit diese frühe Bindung aufbauen. Direkt danach wurden mir die Kinder zum Stillen an die Brust gelegt.

Bindungsstörungen

Im wingwave-Coaching habe ich viele Fälle von Bindungsstörung ermittelt und aufgelöst. Diese waren in unserer Generation tatsächlich sehr weit verbreitet.

Ein Beispiel: Eine Frau kam zu mir ins Coaching, weil sie beim bloßen Anblick der Telefonnummer ihrer Mutter im Display einen Wutanfall bekam. Ständige Streitigkeiten am Telefon waren die Folge und die Situation war grässlich. Sie wollte ihre Mutter lieben und hatte Angst, dass es ihrer Tochter später ebenso ergeht.

Als Säugling wurde diese Frau einige Monate in einer Kinderklinik behandelt. Damals war es nicht erlaubt, dass die Mutter bei ihrem Kind übernachtet. Ein Baby hat kein Zeitgefühl, es fühlt sich verlassen und nicht geliebt. Es schreit sich die Seele aus dem Leib und niemand kommt, streichelt es und nimmt es auf den Arm. Kein Wunder, dass die Bindung gestört ist.

Nach zwei wingwave-Sitzungen hat mich meine Klientin angerufen und mir berichtet, dass ihre Wut nicht mehr da ist und sie völlig entspannt mit ihrer Mutter telefonieren kann.

Wird es wirklich immer schlimmer?

In einem Interview sagt Michael Nast, es wäre erschreckend, wie viele Menschen heutzutage Bindungsunfähig sind und dass unsere Eltern noch viel beständiger in ihren Beziehungen waren.

Ja, das stimmt. Eine Studie der Universität Hamburg berichtet, dass 30 jährige derzeit mehr Beziehungen hinter sich hätten, als die 60 jährigen ihr ganzes Leben lang schaffen.

Allerdings liegt das nicht an der Bindungsunfähigkeit. Sondern an der Hollywood- und Disney-Verseuchung, die unsere Eltern noch nicht hatten. Meine Mama hatte als Teenager keinen Fernseher und Kino konnten sie sich damals schlicht nicht leisten. Sie hat meinen Papa mit 16 kennen gelernt und mit 17 (schwanger) geheiratet.

Die Baby-Boomers – Früher war alles besser?

Die Generation unserer Eltern hatte andere Werte und Ziele als wir und wir haben andere Werte als die Generation Y. Das ist nicht schlimm. Das nennt man Evolution.

Wir mussten keinen Krieg ertragen und auch kein Land aufräumen. Logisch, dass wir andere Sorgen haben, oder? Nenne es Luxusproblem, doch erst durch die Möglichkeiten in einem reichen Land in Frieden aufzuwachsen, lässt uns über Selbstverwirklichung nachdenken.

In der Generation der Babyboomer (1950 – 1965) waren die Frauen überwiegend wirtschaftlich abhängig von den Männern. Eine Scheidung war oft nicht möglich und wenn sich eine Frau das getraut hat, wurde sie von der Kirche und von der Gesellschaft verurteilt und ausgeschlossen.

Meine Tante durfte nicht meine Firmpatin sein, weil sie sich von ihrem Alkoholiker-Prügel-Mann hat scheiden lassen. Ganz ehrlich, um eine Scheidung durchziehen zu können brauchten die Frauen damals verdammt wichtige Gründe. Das ist heute ZUM GLÜCK anders!

Ausrede Beziehungsunfähigkeit

Das mit der Beziehungsunfähigkeit ist in meiner Welt eine Ausrede. Jeder Mensch kann gute Beziehungen aufbauen, wenn er/sie das will. In jeder Generation. Nur ist das nicht bequem.

Laut Hollywood und Disney müssen wir nur den richtigen Prinzen mit oder ohne Gaul finden, um für den Rest unseres Lebens glücklich zu sein. Das ist ein relativ neues Phänomen.

UND BULLSHIT!

Jede Beziehung bedeutet Veränderung, Entwicklung und Herausforderung. Das Happy End ist eine glatte Lüge, doch viele wollen so gerne glauben, dass unsere Beziehung uns glücklich machen soll. Treu natürlich und mit leidenschaftlichem Sex. Für immer. Bis dass der Tod uns scheidet.  Schon klar!

Allein darüber nachzudenken macht die Absurdität bewusst.

Bist du fähig für eine Beziehung einzustehen?

Die Monogamie wurde früher nicht so hoch gewertet, wie heute. Unsere Großmütter waren in der Lage, ein oder mehrere Augen zuzudrücken und es nicht so wichtig zu nehmen, wenn die Großväter ein Gspusi hatten. By the way wurden sie auch noch nicht so alt, wie wir.

Der Sex wurde nicht so hoch gewertet. Meine Oma hat oft gesagt, dass das für sie kein Thema mehr ist und mein Opa ihr gefälligst ihre Ruhe lassen sollte.

Ob das nun besser oder schlechter ist, darfst du selbst entscheiden. Doch bei jeder Krise das Handtuch zu werfen und Beziehungsunfähigkeit als Ausrede zu nutzen, ist feige, faul und hochgradig arrogant.  Deinem Partner diese Diagnose auszustellen auch!

Bist du bereit, für deine Beziehung auch mal durch die Hölle zu gehen? „Kannst du deiner Beziehung treu sein, auch wenn einer mal fremdgeht?“ Kannst du das ewige Recht-haben-wollen sein lassen und dein Ego in die Ecke stellen?

Wie gelingt es, langjährige Beziehungen zu führen?

Karin Klein hat mich nach dem Artikel gefragt, wie ich es hinbekommen habe, eine hohe Beziehungsfähigkeit zu entwickeln, obwohl ich als Baby keineswegs ideale Startbedingungen hatte.

Das hat wohl viele Gründe:

  • Ich hab meine Ziele klar. Die beruflichen und die privaten. Ich habe mich für eine Leben in Liebe ENTSCHIEDEN!
  • Ich habe viel gelernt über Beziehung, lese ständig Bücher und beschäftige mich mit Psychologie. Das hilft!
  • Blöde Verhaltensmuster aus meiner Ursprungsfamilie habe ich gelöst und frühe Bindungsstörungen mit Hilfe von Therapeuten und Coaches aufgelöst. Über die Muster meine Schwiegerfamilie kann ich lachen ;-).
  • Mir ist bewusst, dass weder mein Mann noch meine Ehe für mein Glück verantwortlich ist. Das bin ich selbst.
  • Ich weiß in etwa, wie Leben funktioniert und verbessere meine Fähigkeiten, mein Gehirn bewusst zu benutzen, jeden einzelnen Tag.
  • Ich stelle mich meinen Ängsten, überwinde Krisen und weiß, dass alles, was im Leben passiert, einen Sinn hat.
  • Wenn ich an Grenzen stoße, nicht weiter komme und verzweifle, bitte ich um Hilfe und frage jemanden, der sich damit auskennt.
  • Ich habe gelernt, mich selbst zu lieben, dadurch kann ich viel Liebe geben.
  • Ich höre nicht auf gesellschaftliche Normen und schon gar nicht auf Menschen, die nicht glücklich sind.

Beziehungsfähigkeit & Liebe

Der Hype um die Beziehungsunfähigkeit macht die Sache nicht besser. Energie folgt der Aufmerksamkeit und je mehr wir uns mit unseren Schwächen und Blockaden beschäftigen, desto mehr ziehen wir davon in unser Leben.

Wir haben heute so viele Möglichkeiten, wie keine Generation vor uns, um unsere Ziele zu erreichen. Wir können mit wingwave, EMDR, Kinesiologie, NLP, Familienaufstellungen, Körpercoaching und was weiß ich nicht all unsere Themen anschauen und auflösen. Und dann ist auch gut.

Danach dürfen wir uns mehr darüber unterhalten, wie schön Beziehungen sind. Wie großartig es ist, Liebe zu schenken und zu empfangen und wie toll unsere Partner sind.

Wir dürfen mit Güte und Großzügigkeit mit Fehlern umgehen und die gesellschaftlichen Normen wie die Monogamie sorgfältig überdenken und EIGENE Beziehungsmodelle kreieren. Wir dürfen mehr aus Liebe und weniger aus Angst handeln und leben.

Vielleicht sind wir Beziehungsunfähig geboren. Doch wir sind aus Liebe gemacht und werden immer einen Weg finden, zu lieben. Egal, welcher Generation wir angehören.

Leben darf leicht gehen und Spaß machen. Liebe auch!

Herzlichst
Melanie

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