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Monogamie und Polyamorie

Was versteht man unter einer monogamen Beziehung und für den könnte eine polyamore Beziehung besser sein? Melanie Mittermaier klärt auf!

Definition von Monogamie und Unterschied zu Polygamie

Monogamie erklärt sich in wenigen Worten: Der Begriff steht für die Exklusivität einer romantischen Beziehung zweier Menschen, die sich beide ausschließlich dem eigenen Partner widmen. Dieser Fokus richtet sich sowohl auf die emotionale als auch sexuelle Treue und bezeichnet eine lebenslange Gemeinschaft. Dritte Partner finden keine Beachtung, genau dieser Maßstab wird vielen Beziehungen zum Verhängnis.

Im Gegensatz zur Monogamie stehen Verhaltensmuster der Polygamie (…) wie z. B. der Vielweiberei, -männerei oder Polyamorie. Bei der Polyandrie oder Polygynie kann auch nur einer der Partner weitere Sexualpartner haben, während sich der andere Partner monogam verhält. Beim Menschen kann seit der zunehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften auch hier von Monogamie gesprochen werden, sofern diese eine Treuebeziehung darstellen.

Quelle: Wikipedia

Ist Monogamie eine veraltete Beziehungsform?

Gesellschaftlich definiert eine monogame Partnerschaft das Ideal der „großen Liebe“. Bis dass der Tod euch scheidet, ist aber ein Konzept mit einigen Stolpersteinen. Stellt sich die Frage: Kann eine monogame Partnerschaft funktionieren und welche Unterschiede gibt es in ihrer Diversität? Du findest heute viele verschiedene Ausprägungsformen, eine sehr verbreitete ist die serielle Monogamie. Hier streben beide Partner im begrenzten Zeitraum ihrer Beziehung nach sexueller Treue. Trennen sie sich, suchen beide Individuen erneut nach einer monogamen Lebensform. Etwas anders definieren Paare die sozial monogame Beziehung. In diesem Fall bleiben zwei Menschen ein Leben lang zusammen, allerdings gestehen sie sich vereinzelte Affären und Seitensprünge zu und wünschen diese Abwechslung.

Klare Pros für eine monogame Partnerschaft sind

Jeder vierte Deutsche ist im Laufe einer aufrechten Partnerschaft bereits fremdgegangen. Stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit? Oder handelt es sich beim Idealbild der ewigen Treue um eine längst in die Jahre gekommene Evolutionstheorie?

Wenn Treue Spaß macht, gibt es an diesem Lebensentwurf prinzipiell nichts auszusetzen. Leben und leben lassen, aber eben mit einem expliziten Hang zur ewigen körperlichen als auch emotionalen Treue. Mehr als 88 Prozent der Frauen in Deutschland geben an, eine monogame Beziehung zu bevorzugen, bei den Männern sind es 74 Prozent. Sexuelle Treue spielt also für mehr als zwei Drittel von uns eine wesentliche Rolle. Stabile und langfristige Beziehungen mit einem fixen Partner wirken sich positiv auf die Gesundheit und Psyche aus. Wer monogam lebt, leidet nach einer Studie der Universität von Otago (Neuseeland) https://www.otago.ac.nz/news/news/otago006366.html weniger oft an Angstzuständen und Depressionen.

Das loyale Verhalten von Eltern wirkt sich auch auf den Nachwuchs aus. So tendieren Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung weniger oft zu Bindungsängsten und sind im Erwachsenenalter eher in der Lage, selbst stabile, tiefgründige und vor allem langfristige Beziehungen einzugehen oder diese zu anderen Menschen aufzubauen.

Die Kontras der Zweifler

Für Kritiker ist die Definition der Monogamie und ihre daraus resultierenden Lebensstrategien ein reines Wunschdenken. Wo ist diese eine Person zu finden, mit der wir unser gesamtes Leben verbringen wollen und die unseren sozialen, emotionalen und körperlichen Bedürfnissen gerecht wird? Oder anders formuliert: Verleitet uns der Versuch eine monogame (glückliche) Beziehung zu führen zur Untreue?

Unterm Strich bedeutet Monogamie vor allem eines: den Verzicht auf Intimität und körperliche Nähe, die im Laufe der Zeit unweigerlich zu einer Affäre oder einem Seitensprung führt. Daher sehen Befürworter der Polyamorie Liebe als etwas Teilbares an, während Monogamisten die Liebe auf einen einzigen Partner beschränken.

Mensch, Natur und Evolution – Monogamie oder Polygamie

Können wir andere Personen attraktiv finden, obwohl wir in einer aufrechten Beziehung leben? Die Forschung zeigt, dass Menschen schon immer sozial monogam gelebt haben, die sexuelle Monogamie aber in frühen Zeiten kaum praktiziert wurde. Man lebte im Familienverbund mit fixer Rollenverteilung, nebenbei rein sexuelle Kontakte zu haben, galt als normal. In weiten Teilen Afrikas und der arabischen Welt setzte sich die Polygamie durch, während in Europa vorwiegend ein monogamer Lebensstil geführt wird.

Eine Frage der Auslegung? Monogamie vs Polyamorie

Tatsächlich ist die Treue ein wesentlicher Vertrauensfaktor in Beziehungen. Scheitert eine Partnerschaft, ist sie der größte Knackpunkt. Nicht immer bleibt es bei der Versuchung oder bei einem einmaligen Ausrutscher. Sind Partner mehrfach untreu, entwickelt sich daraus eine der größten beziehungstechnischen Herausforderungen. Gerade einmal 16 Prozent aller Kulturkreise leben in der Monogamie.

Längst nicht jeder Mensch ist und möchte monogam leben. Glücklicherweise gibt es Lösungen, die alternative Beziehungsmodelle ins Zentrum aktiver Aufmerksamkeit rücken. So gewähren sich Paare in einer offeneren Art persönlicher Beziehungen gegenüber durchaus mit anderen Personen intim zu werden. Beide Partner streben eine möglichst lange Beziehung an, nur das Ideal der lebenslangen Treue verfolgen sie eben nicht. So gegensätzlich ist dieses Prinzip nicht, wie es auf den ersten Blick erscheint. Das Gefühl der Verbundenheit bei gleichzeitigem Ausleben von Sexualität unterstreicht den Anspruch in der Polyamorie.

Polyamorie Definition: Es gibt kein Modell, das für alle Paare passt

Wie der lateinische Name der „Vielliebe“ bereits verrät, steht bei diesem Begriff die mehrfache Liebe im Fokus. Polyamorie beschreibt den Beziehungsstand, zumindest zwei Partnerschaften gleichzeitig zu führen – und das mit dem Einverständnis und dem Wissen aller Betroffenen. Dieser Punkt des offenen Umgangs mit der Situation ist der wichtigste Eckpfeiler polyamorer Beziehungen.

Bereits in den 1960-er Jahren gab es die von der Polygamie entkoppelte Bezeichnung, in den 1990ern verbreitete sich das Modell via Internet. Manifestiert hat sich die Polyamorie allerdings als Begriff für alle einvernehmlichen intimen Partnerschaften mit mehreren Personen. Die Autorin Morning Glory Zell-Ravenheart bescherte ihre Definition zur Polyamorie einen Eintrag in das Wörterbuch. Sie schreibt: „Die gelebte Praxis, der tatsächliche Zustand und die fortlaufende Fähigkeit, mehr als eine liebevolle sexuelle Beziehung zur gleichen Zeit zu führen, mit vollem Einverständnis und Wissen der beteiligten Partner.“

Gerade bei polyamoren Beziehungsmodellen gibt es eine sehr gefühlvolle Seite aufrechter Liebesbeziehungen. In diesem Fall darfst du laut der polyamoren Theorie frei von jedem Zwang deine Liebe auch mit anderen Menschen Teilen. Liebe wird sozusagen teilbar und sollte nicht nur auf eine Person beschränkt sein, wie es das Konzept der Monogamie vorsieht. Die Polyamorie und ihre Definition ist einerseits eine besondere Geisteshaltung, andererseits eine Doppelbeziehung, die jede für sich wiederum monogam ausgelegt wird.

So kontrovers der erste Eindruck darüber sein mag, poliamor lebende Paare legen höchsten Wert auf Transparenz, Ehrlichkeit, Einverständnis und Gleichberechtigung und erfahren Liebe mit mehr als einer Person. Diese Zeitspanne ist geprägt von einer langfristigen Orientierung, womit der Begriff „Betrügen“ absolut keine Parallelen aufweist. Polyamorie ist weder mit dem unverbindlichen Wechseln diverser Sexualpartner gleichzusetzen, noch widerspiegelt es eine monogame Beziehung, die über freundschaftliche Aspekte hinaus geht.

Wertvorstellung in der Polyamorie

Hingabe, Respekt und Verbindlichkeit gehören ebenso zu den Wertvorstellungen der Polyamorie wie Ehrlichkeit, Treue und gleichberechtigte Kommunikation. In der Essenz geht es Personen in polyamoren Beziehungen nicht um das schnelle unverbindliche Sex-Abenteuer, sondern um eine emotionale liebevolle Bindung zueinander. Alle Beteiligten sorgen dafür, dass es jedem gut geht. One-Night-Stands, Prostitution, Swinging oder Fremdgehen spielen hier keine Rolle. Polyamore Beziehungen sind langfristig angelegt und reichen vom Austausch sexueller Energie bis hin zu den sexuellen Handlungen selbst.

Du bist beim Ausleben dieses Lebensmodells auch nicht an eine bestimmte Orientierung oder ein Geschlecht gebunden. Das Konzept kann mit ganz vielen verschiedenen Anteilen zwischen Bisexuellen, Heterosexuellen, Homosexuellen, Transgender oder Intersexuellen stattfinden.

Formen der Polyamorie & Eifersucht

Eifersucht ist in jeder Art von Beziehung ein schwieriges Thema, Polyamorie macht hier keine Ausnahme. Stress als auch Probleme können in einer anderen Dimension auftreten. Es gilt auftretende Eifersucht nicht zu verdrängen, sondern sie zu akzeptieren und sich damit auseinanderzusetzen. Schattierungen finden nicht in Schwarz oder Weiß statt, vielmehr erlaubt Polyamorie jegliche Art von Grautönen. Verlustängste und das Gefühl sich mit den anderen messen zu müssen, stehen etwas im Widerspruch. Die intensive Bewusstseinsmachung beunruhigender Gedanken beschäftigt vielmehr das geistige Auge und treibt bestimmte Vorstellungen auf die Spitze. Stellt sich die Frage: Womit fühlst du dich wohl beziehungsweise unwohl? Denn zwischen Wirklichkeit und Fiktion liegen sehr oft Welten.

Die Einteilung der Partnerschaftsqualität findet allgemein in der der Definition 1, 2 oder 3 statt. Ob eine primäre, sekundäre oder tertiäre Beziehung vorliegt, entscheidest du als beteiligte Person völlig eigenständig, aber zusammen mit deinem Herzensmenschen. Während eine Primärbeziehung mit dem Hauptpartner stattfindet, erreicht eine Sekundärbeziehung nicht dieselbe Qualität, ist aber dennoch langfristig ausgelegt und für alle Betroffenen bedeutend. Unter tertiären Liaisons sind freundschaftliche Verbindungen mit gelegentlichem Sex definiert oder leidenschaftliche, aber kürzere Affären.

Welche Polyoption ist für dich die richtige?

1. Unerwartete Dreiecksbeziehung

Theoretisch ist jede Beziehung außerhalb der Partnerschaft, ob gewollt oder nicht, eine Dreiecksbeziehung. Es stellt sich die Frage der bewussten Suche oder unfreiwilligen Akzeptanz. Sind beide Partner mit der offenen Haltung gegenüber ihrem Hauptmenschen einverstanden und leben getrennt voneinander noch weitere sexuelle und liebevolle Kontakte, kann dies ein äußerst erfüllter Lebensabschnitt sein. Weigert sich einer der Beteiligten – bedeutet das Game over. In welcher Konstellation das Ende droht, entscheidest du selbst. Zur besseren Einschätzung gegenseitiger Bedenken gibt es ein Ampelsystem (grün, gelb, rot) mit dessen Hilfe es dir wesentlich leichter fällt, Auswahlkriterien bei der polyamoren Partnerwahl festzulegen.

2. Offene Zweierbeziehung


In diesem Fall hat der Hauptpartner Priorität und darf keinesfalls von allen anderen sekundären Beziehungen gefährdet werden. Die Konstellation findet sich am häufigsten in der Polyamorie, allerdings mit großen Unterschieden in der realen Praxis. Von der unverbindlich lockeren Affäre mit diversen Nebenpartnern sind auch sehr enge und ernsthafte Beziehungen möglich. Je nachdem wie sehr du Offenheit, Verbindlichkeit und den Informationsaustausch lebst, desto umfangreicher das Fundament zwischen dir und deinem Primärpartner.

3. Mehrfachbeziehungen

Hier lautet die Devise: Alle Partnerschaften stehen auf gleicher Stufe. In dieser Konstellation kann das polyamore Modell viele unterschiedliche Optionen bieten. Neben der vorherrschenden Gruppentreue dienen die Mehrfachbeziehungen vor allem dazu offene, aber auch gleichberechtigte Mehrfachbeziehungen zu führen. Allerdings als geschlossene „Polyfamilie“ nicht für zusätzliche Menschen von außerhalb zugänglich. Somit besteht eine klare Definition dessen, was erlaubt und nicht gewünscht ist. Die eheähnliche Gemeinschaft übernimmt gegenüber den Beteiligten Verantwortung, sexuelle Kontakte zu Personen von außen sind tabu. Alle haben Sex miteinander.

4. Poly-Single

Als Poly-Single strebst du keine Partnerschaft an, willst aber nicht auf Liebe, Sex, Erfüllung und Intimität verzichten. Dafür steht dir die Welt der FwB-Freundschaften (Friends with Benefits) offen und du kommst mit Singles der gleichen Einstellung zusammen.

Vorteile polyamorer Beziehungsstrukturen

Polyamorie und Literatur gehen bereits seit Jahrzehnten eine enge Partnerschaft ein. Der Lesestoff vermittelt schnell: Polyamore Lebenskonzepte sind bunt, komplex und vielschichtig. Ihre konkrete Ausgestaltung präsentiert sich individuell. Daher erscheinen allgemeingültige Vorteile eher kontrovers. Ist für dich der passende Ansatz dabei, um Polyamorie zu leben?

• erleben von Partnerschaftsentwicklung
• Gemeinschaftlichkeit akzeptieren
• praktikable Lösung für neue Sichtweisen und festgefahrene Strukturen
• höhere Verlässlichkeit durch mehrere Partner
• besserer Umgang mit Verlustangst, Existenzangst und Eifersucht
• intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich
• Zwänge leichter abschütteln
• Persönlichkeitsentwicklung zur nachhaltigeren Entfaltung

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Melanie Mittermaier Affärenmanagerin

Melanie Mittermaier

Affärenmanagerin, Paarberaterin, Beziehungscoach.

Ich begleite dich auf deinem ganz individuellen Weg in eine authentische Liebesbeziehung – egal, wie diese für dich persönlich aussieht. Auch, wenn du im Moment kein Licht am Ende des Tunnels siehst: Gemeinsam finden wir die Lösung, die sich für dich richtig anfühlt!