Episode 033: Typisch Mann! Ständig im Wettbewerb und muss immer Erster sein! Dämlich? Oder lustig? Wie können wir die Eigenheiten unseres Partners akzeptieren und sogar davon profitieren?

Transalp Brenner

Es ist unsere zweite Tandem-Transalp. Wir sind besser ausgerüstet und fitter als im Jahr davor. Über den Brenner wollen wir in vier Tagen zum Gardasee radeln und wir sind gut in der Zeit. Es ist der vierte Tag und Trient liegt schon hinter uns. Noch ein paar Kilometer und wir erreichen Rovereto.

Die Sonne sticht heiß vom Himmel, der Schweiß tropft mir in die Augen und ich bin schon ziemlich am Ende meiner Kräfte.

Ein italienisches Rennradler-Trio mit stylischen Pinarellos zieht an uns vorbei. Die drei Männer sind sicherlich schon um die 60 Jahre alt und der letzte hält sich tapfer mit hochrotem Kopf knapp hinter den beiden anderen. Anscheinend mussten sie kräftiger in die Pedale steigen, um uns zu überholen.

Mein Mann gibt Gas, um dran zu bleiben.

Ich muss zwar nicht genauso kräftig treten, wie Andi vorne, doch meine Beine dürfen die Frequenz mithalten. Ich weiß gar nicht, wie mir geschieht, da erhöht er nochmal das Tempo und setzt zum Überholen an. WTF???

Auch wenn ich das triumphierende Lächeln von Andi in diesem Moment nicht sehen kann, weiß ich doch, dass es sich gerade über sein ganzes Gesicht zieht. Die Herren hängen nun ihrerseits in unserem Windschatten und Andi hält das hohe Tempo, um sich ja nicht die Blöße geben zu müssen, wieder überholt zu werden. Das geht einige Minuten so weiter.

Mir ist schon ganz schlecht.

Irgendwann geben die Italiener auf und biegen in eine Seitenstraße. Endlich! Bei der nächsten, bitternötigen Pause eröffne ich wütend das Gespräch: „Typisch Männer! Ihr habt doch alle einen an der Waffel!“ Schuldbewusst verspricht er mir, keine Rennen mehr ohne mein Einverständnis zu fahren.

Unser Sohn will immer Erster sein

und unsere Tochter heult, wenn sie beim Schlittenfahren überholt wird. Kinder geraten selten nach anderen Leuten und ich weiß, von mir haben sie das nicht.

Diesen Drang immer gewinnen zu müssen verspüre ich nicht. Ich gebe zu, ich verliere auch nicht gerne, doch immer Erster sein wollen, hielt ich bisher für eine Charakterschwäche. Für eine männliche Charakterschwäche wohlgemerkt.

Höher, schneller, weiter, Erster! Typisch Mann!!!

Vor ein paar Tagen habe ich dann das Manuskript von Andis erstem Buch(!) gelesen. Er hat über unsere Tandem-Touren geschrieben und mich gebeten, ein paar Textpassagen beizutragen. Für den Leser ist es sicherlich interessant, wie zwei Menschen auf derselben Tour und einem Fahrrad völlig unterschiedliche Erfahrungen machen.

BUCHTIPP: TANDEM TRANSALP – Wie ich meine Frau heimlich über’s Timmelsjoch lockte*

Andi beschreibt dieses kleine Rennen ganz anders, als ich. Er hatte großen Spaß, die drei Rennradler abzuhängen und war super stolz auf unsere Leistung. Mit einem Kumpel hinten drauf, hätten sie wohl ganz Italien überholt. Für ihn war es eine riesen Gaudi.

Eine Krise ist immer auch eine Chance!

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Typisch Mann?

Beim Lesen ist mir klar geworden, dass ich ihn wegen diesem Verhalten unterschwellig für bescheuert halte. Nur ein kleines bisschen, aber spürbar. Ich dachte mir echt: „Typisch Mann! Immer will er gewinnen. Dieser ständige Wettbewerb ist doch bescheuert!“

Doch seine Schilderung der Situation hat mir deutlich vor Augen geführt, dass ICH in diesem Fall die Spaß-Bremse war. Klar, meine körperliche Verfassung hat eine andere Möglichkeit nicht hergegeben, doch wer gibt mir das Recht, ihn zu verurteilen?

  • Bin ich so viel besser, nur weil es mir egal ist, ob ich Erster bin?
  • Hätte er auf seinen Spaß verzichten sollen, nur weil ich platt war?
  • War es das wert?
  • Und wer entscheidet das?

Im Coaching fällt mir das immer wieder auf. Menschen kommen in Schwierigkeiten, wenn sie glauben, sie wüssten besser, wie sich andere zu verhalten haben. Sogar besser, als die andere Person selbst.

Unterschwellig sagen sie damit: „Du doof!“

Bei mir beschweren sich Söhne und Töchter über das Verhalten ihrer Eltern. Eltern sind fassungslos beim Verhalten ihrer Kinder. Eheleute meckern über die Macken des Partners, Freundinnen beklagen sich übereinander, Männer schimpfen über Frauen und umgekehrt.

Wir regen uns darüber auf, dass ein anderer Mensch so ist, wie er ist. Und am häufigsten über die Menschen, die wir am meisten lieben. Das macht keinen Sinn!

Wir alle haben einen Dachschaden! Jeder von uns.

Und das meine ich nicht böse, sondern ganz liebevoll. Das hat nix mit „Typisch Mann“ zu tun. Mein Mann hat seine Macken, genau wie ich. Unsere Kinder sind ab und zu echt durchgeknallt, ganz zu schweigen von unseren Eltern.

Ich habe keine Macken – das sind Special-Effects!

Kürzlich wollte mir ein befreundetes Pärchen den besten Weg zur nächsten Tankstelle erklären.

Sie: „Rechts herum ist einfacher für Frauen.“

Er: „Nein, niemals! Links ist viel kürzer!“

Die beiden diskutierten einige Minuten, jeder felsenfest davon überzeugt, dass er Recht hat. Typisch Mann? Typisch Frau? Wir dürfen akzeptieren, dass wir die Welt unterschiedlich wahr nehmen. Beiden haben recht – ihn ihrer Welt.

Ich verstand nur Bahnhof und habe mein Navi befragt.

Jeder Mensch handelt aus seiner besten Option. Jeder hat seine EIGENE Wahrheit. Wir alle möchten geliebt und glücklich sein und die Freiheit haben, eigene Entscheidungen zu treffen. Wir wollen so angenommen werden, wie wir sind. Wir alle wollen hören: „Du bist genauso ok, wie du bist!“

Doch erstaunlicherweise sagen wir das viel zu selten. Wir wollen lieber Recht behalten und den anderen von unserer Meinung überzeugen, als glücklich zu sein und Spaß miteinander zu haben.

Ob so ein Rennen dämlich oder lustig ist, hängt nur von der Beurteilung im Gehirn ab. Meine Beurteilung von „dämlich“ hat dafür gesorgt, dass ICH keinen Spaß hatte. Und ich wollte sogar meinen Mann dafür „bestrafen“ und ihm auch noch den Spaß verderben. Rückblickend eigentlich schade.

Was wäre gewesen, wenn ich auch „mitgespielt“ hätte?

Wenn wir anerkennen, dass der andere seine eigene Sicht der Dinge hat, wird das ganze Leben leichter. Dann musst du nie wieder jemanden von deiner Sicht überzeugen und kannst einfach mal Recht geben. Und du brauchst dich nie wieder für deine Entscheidungen rechtfertigen. Ihr könntet sogar zusammen darüber lachen!

Deine und seine Sichtweise würdigen!

Das heißt nicht, dass du die Meinung annehmen musst. Im Gegenteil! Unsere Beziehungen sind doch deshalb so cool, weil wir alle unterschiedlich sind. Wir können voneinander lernen, wenn wir das wollen. Typisch Mann, typisch Frau – Jaaa! Wir haben natürlich geschlechtstypische Eigenschaften und das ist gut so!

Es ist wie ein riesiges Buffet.

Du kannst dir nehmen, was dir schmeckt. Aber lass jeden anderen selbst entscheiden, was er essen möchte.

Andi hätte mich niemals davon überzeugen können, dass ein Mini-Rennen witzig ist. Ich hätte ihm den Vogel gezeigt. Doch jetzt habe ich selbst eine neue Meinung gebildet und kann mich bei der nächsten Tour anders entscheiden (falls meine Kräfte das zulassen).

Leben darf leicht gehen und Spaß machen. Liebe auch!

Herzlichst
Melanie

Wenn du Fragen hast… 

Dort gibt jeden Monat ein LIVE Webinar und eine Q&A Session!
Fragen über die Website oder über PN auf meinen Social-Media-Kanälen werde ich nicht beantworten. Für mich ist das eine Sache der Verantwortung.

Wenn es bei dir heftig kriselt, wenn du emotional „durch“ bist, dann helfen dir Tipps im Chat einfach nicht. Dann gehörst du in professionelle Hände und dann bitte ich dich: such‘ dir Hilfe!
Ich kann nur mit dir arbeiten, wenn du mich als deine Paarberaterin oder deinen Coach beauftragst. Lies gerne in meinem Blog, abonniere meinen Podcast oder nutze die Community zum Austausch in der Gruppe aber vor allem: nimm ein Coaching in Anspruch – ob bei mir oder meinen Kollegen.
Das solltest du dir wert sein!

 

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