Toxische Beziehung und Eifersucht

Wenn Liebe schmerzhaft ist – Die Bedeutung und Muster von toxischen Beziehungen, ob man sie beenden sollte oder nicht.

Dass sich Partner:innen in Beziehungen von Zeit zu Zeit nicht wohlfühlen ist völlig normal. Partnerschaften ohne Streit mag es geben, aber was sich hier als Wunschvorstellung darstellt, ist selten und eher unrealistisch. Tatsächlich sind Konflikte bis zu einem bestimmten Grad für die Beziehung positiv zu bewerten. Solange Kommunikation in einem vernünftigen Maß stattfindet, bieten Auseinandersetzungen für beide Partner die Chance zur Weiterentwicklung. Wesentlich destruktiver ist ein Streit, wenn er von Schuldzuweisungen und Vorwürfen geprägt ist. In diesem Fall spricht man von einer toxischen Beziehung. Derartige Konstellationen gibt es ziemlich häufig, wobei Frauen in der Regel öfter unter dem „giftigen“ Verhalten des Partners oder der Partnerin leiden als Männer. Solche dysfunktionalen Beziehungen zu erkennen und zu beenden, ist trotz des erfahrenen Unglücks für die meisten Menschen extrem schwierig. Stellt sich die Frage: Lassen sich toxische Verhaltensmuster verändern und gibt es eine Chance auf Besserung? Oder ist eine Trennung das einzige Mittel der Wahl?

Toxische Beziehung Bedeutung

Der Begriff einer toxischen Beziehung wird gerne übergeordnet für alle Paarbeziehungen angewandt, die mit überdurchschnittlich viel Leid und Unglück für einen Partner verbunden sind. Diese Entwicklung ist vordergründig auf die Dynamik zwischen den Personen selbst zurückzuführen. Zumindest einem der beiden geht es nicht gut oder es gibt keinen positiven Fortschritt zu verzeichnen. Neben Loyalität und Liebe sind es noch andere Faktoren wie Abhängigkeiten, Gewalt, Schuldzuweisungen, emotionale Erpressung und Bedrohungen die Partner an ihrer Beziehung festhalten lassen.

Dies mag paradox klingen, doch manche Menschen vermeiden trotz allem Unglück eine Trennung aus Unsicherheit, Alternativlosigkeit oder Angst. Einige fürchten die Offenlegung der Tatsachen vor nahestehenden Personen und verhindern eine Bewertung durch ihr Umfeld. Letzten Endes ergibt das toxische Gesamtbild einer Beziehung immer eine Disbalance in verbalen, körperlichen und emotionalen Werten, Rechten und Pflichten. Diese Schieflage ist für Außenstehende in der Regel zu erkennen, wer sich Sorgen macht, sollte seine Bedenken offen äußern. Zumindest ermöglicht diese Art von Reflexion ein unvoreingenommenes zugelassenes Warnsignal an die betroffene Person.

Toxische Beziehung Anzeichen

Eine toxisch anmutende Beziehung ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Gerade Menschen, die sich inmitten solcher Partnerschaften befinden, fehlt es an einer objektiven Betrachtung. Nach außen wirken diese Verbindungen perfekt, bis sich bei den Betroffenen das Gefühl von Irritation einstellt. Was in diesen Situationen häufig nicht stimmt und die inneren Alarmglocken schrillen lässt, sind die kräfteraubenden Anzeichen.

Egal wie sehr man sich bemüht, der Partner wird niemals zufrieden sein und spielt Vorwürfe aus, die an der persönlichen Wertigkeit zweifeln lassen. Kombiniert mit extremen Stimmungsschwankungen, ist nicht klar, in welcher Laune sich das Gegenüber gerade befindet. Mal ist er oder sie total aufbrausend, im nächsten Moment wird man mit Liebesbekundungen überschüttet. Hinzu kommt die scheinbare Notwendigkeit sich für den Hausfrieden total verbiegen zu müssen und etwas vorzuspielen. In vielen Fällen finden kaum noch Treffen mit anderen Personen statt, da die Eifersucht des Partners immer mehr Raum beansprucht und eine zunehmend dominante Rolle einnimmt. Individuelle Isolation ist die Folge. Als wären diese Parameter nicht genug, gesellt sich in den meisten Beziehungen der Egoismus hinzu. Permanent dreht sich der gesamte Alltag nur um die Wünsche und Herausforderungen des Partners. An der anderen Person wird lediglich wenig Interesse gezeigt.

Diese Anzeichen sollten dich alarmieren:

• Entwicklung und Veränderungen sind tabu.
• Du alleine bist schuld.
• Kein Streit – kein Problem?
• Du kannst nicht du selbst sein.
• Deine körpereigenen Vitalquellen bauen rapide ab.

Häufiges Muster: Narzissmus

Wer ist anfällig für eine toxische Partnerschaft? Dominant im Vordergrund stehende Personen haben weder ein Wirgefühl noch ein Miteinander für ihre Beziehung über. Sie definieren die perfekte Partnerschaft mit „Damit es mir gut geht, brauche ich dich und darum musst du meinem Ideal entsprechen.“

Zur Aufrechterhaltung des Selbstwertgefühls bedarf es einer gefühlvollen Zuwendung, eben diese fehlt zum anderen Partner. Entgegen der dominierenden Rolle entspricht der maskuline Narzisst häufig jenem Typ Mensch, der unter dem Peter-Pan-Syndrom leidet. Narzisstische Verhaltensmuster können mit Einschränkungen nur schwer umgehen, wobei die digitale Routine, Online-Meetings oder virtuelle Prozesse dringend verlangte Begegnungen unzureichend ersetzen. Der Narzisst benötigt die Aufmerksamkeit, liebt das Machtspiel, die Bewunderung und das Lob. Aber vor allem bevorzugt er den großen Auftritt. Kann der Partner den Ansprüchen zwischen Bewunderung, Ärger, Bestätigung und Frust nicht gerecht werden, droht die nächste Auseinandersetzung. Aus diversen Gründen ziehen sich die Partner von Narzissten zurück und stellen sich nicht der Konfrontation.

Die primär wichtige Frage muss daher lauten: Wie schütze ich mich am besten? Ist die Grenze des Erträglichen überschritten, wird die Opferrolle reflektiert. Jene Neigung eigene Wünsche und Bedürfnisse hintanzustellen, weicht der Überzeugung selbstschützende Konsequenzen zu ziehen.

Wer ist anfällig für toxische Verbindungen?

Grundsätzlich trägt jeder Mensch in einer Partnerschaft seinen wesentlichen Anteil zur Paardynamik. Ungesunde Beziehungen entstehen nicht von heute auf morgen, sondern entwickeln Züge, die eine Situation formen. Personen mit einem guten Selbstwertgefühl kennen ihre Grenzen, tragen Verantwortung und übernehmen diese, sodass Familie und Freundeskreis eine harmonische Ergänzung bilden. Meist erklärt die Berufswahl desjenigen viel über dessen Einstellung und seine Fähigkeit eine Partnerschaft auf Augenhöhe zu führen. Potenziell stehen diese Faktoren für eine gemeinsame Entwicklung.

Steckt jemand aber in einer Krise, fühlt sich verlassen und alleine, erlebt diese Person eine Beziehung möglicherweise als Rettungsanker und übersieht viele Dinge, die einfach zu schnell in Kauf genommen werden. Daher sollten beide Partner bereit sein, Weiterentwicklung und Selbstreflexion zuzulassen, um die Verantwortung für Ihre Handlungen zu übernehmen. In diesen Fällen gibt es die berechtigte Annahme auch eine möglicherweise toxische Partnerschaft in gesunde Bahnen lenken zu können.

Die Psychologie benennt eine optimale partnerschaftliche Basis mit dem Begriff „Differenzierung“. Damit beschreibt die Theorie einen Typ Mensch, der in der Lage ist, seine Emotionen zu regulieren. Kommen zwei Personen mit dieser Eigenschaft zusammen, gilt diese Beziehung als besonders stabil. In diesem Fall werden Stresssituationen individuell aufgelöst und keiner der Partner ist zu 100 Prozent darauf angewiesen, dass der andere Part aus diesen negativen Emotionen herausführt. Das Grundvertrauen Herausforderungen mit Souveränität zu meistern, ist der Schlüssel. Gerne mit dem Partner, aber nicht existenziell. Die Fähigkeit trotz aller Belastungen einen Mittelweg gehen zu können, zeichnet das Menschsein aus und lässt Nähe zu.

Bei einem niedrigen Differenzierungsgrad ist das Gegenteil der Fall. In emotionalen Krisen sind diese Personen darauf angewiesen, dass eine andere Person ihre Last mindert. Wer seine individuellen Grenzen nicht spürt, geht unter Umständen im Partner völlig auf und verschmilzt, ohne darauf zu achten sich selbst nicht aufzugeben oder gar zu vergessen. Manchmal ist diese Eigenschaft stark kulturell überlagert.

Welche Rolle spielt die Eifersucht?

Wenn der Wunsch nach Kontrolle zu groß wird, ist die Exklusivität der Beziehung in Gefahr. In der Regel überschreiten toxische Verbindungen diese Schwelle ziemlich schnell. Ein Treffen mit Freunden wird zum Problem und der Blick in den persönlichen Terminkalender des Partners ist kein Tabubruch mehr. Starke Eifersucht ist Gift für jede Beziehung, fehlt das Vertrauen, hat die Zusammengehörigkeit nichts Freiwilliges an sich und man lässt ein Abhängigkeitsverhältnis zu. Die Grenzen zwischen extremer und normaler Eifersucht sind fließend und ergibt maximal ein Symptom oder Störungsbild, reicht aber für die Definition einer toxischen Partnerschaft nicht aus. Sie ist ergänzendes Beiwerk in einem höchst angespannten Beziehungsumfeld. Grob lässt sich die Eifersucht als Liebesentzug beschreiben, sie übernimmt einen wichtigen Aspekt im Umgang mit „giftigen“ Verhaltensmustern.

Was zunächst als Verlustangst definiert wird, kann in unkontrollierter Dosis schnell in die Abhängigkeit abrutschen. Eifersucht ist daher in den allermeisten Fällen ein Ausdruck des eigenen mangelnden Selbstwertes.

Ausgeprägte Eifersucht ist für Betroffene ein überwältigendes und quälendes Gefühl. In den meisten Fällen allerdings höchst unbegründet und in seiner Auswirkung absolut beziehungsschädlich. Kein Partner ist Besitz, aber wenn Eifersucht in die richtigen Bahnen gelenkt werden soll, bedarf es einen Blick auf das Bindungsverhalten und die daraus resultierende Bindungsangst. Spielen schmerzhafte Trennungen in früheren Beziehungen eine Rolle, kann die Verlustangst hoch sein. Das Gefühl der Eifersucht ist mächtig, braucht eine stabile Umgebung mit klärender Basis. Eine Beziehung im toxischen Umfeld findet in der Kommunikation allerdings nicht auf Augenhöhe statt, vielmehr rutscht ein Partner in den Eifersuchtswahn ab und gibt sich der narzisstischen Kontrolle hin.

Toxische Verhaltenszüge – Partnerschaft retten?

Sobald die eigene Beziehung nur noch Kraft kostet und Energie raubt, bleit man zu einem großen Teil unglücklich zurück. Eine Trennung scheint die naheliegendste Option. Für die meisten Betroffenen ist diese Erkenntnis erst der Beginn eines längeren Leidensweges, sie verharren in dieser menschlichen Konstellation aus unterschiedlichsten Gründen. Zum einen sind sie emotional abhängig, haben Angst vor dem Alleinsein oder möchten dem drohenden Singleleben keine Chance einräumen.

Eine Studie der American Psychological Association ergab, dass jene Menschen, die ein Dasein als Single befürchteten eher dazu bereit waren, toxische Partner zu ertragen. Sehr eng ist diese Theorie mit dem persönlichen Selbstvertrauen und Selbstwert verknüpft. Es lohnt sich daher in allen Lebenslagen den Fokus auf sich selbst zu richten, um zu bemerken: Ich brauch meinen aktuellen Partner nicht zum Glücklichsein. Das Eingestehen ungesunder Beziehungsmuster ist der erste Schritt. Der Zweite hinterfragt schonungslos das Bauchgefühl. Möchtest du deiner Beziehung wirklich noch eine Chance geben?

Toxische Beziehung beenden

Eine toxische Partnerschaft zu beenden, fordert bis an die Grenzen zu gehen. Bestimmte Fähigkeiten helfen dabei, während der Trennungsphase zu 100 Prozent im Erwachsenen-Ich zu bleiben und nicht in das innere Kind abzudriften. Rational bleiben und die Realität im Blick behalten, lautet die Devise. Vergleicht man eine toxische Verbindung mit Drogen, fühlt sich das Ende wie ein kalter Entzug an. Es ist der persönliche Ground Zero, wobei Betroffene anschließend ein Narzissten-Detoxing benötigen. Im Grunde ist in dieser Phase alles erlaubt, was im positiven Sinne ablenkt und so wenig wie möglich an den Ex-Partner erinnert. Familie treffen, Urlaub machen und analog die Freizeit verbringen. Social Media sind tabu.

Wird eine Partnerschaft beendet, sind die Folgen nicht immer leicht zu überwinden. Lag die Paardynamik vorwiegend im manipulativen Umgang mit Trennungs- und Bindungsangst oder Scham- als auch Schuldgefühlen ist es umso schwerer aus dieser narzisstischen Kollusion herauszufinden. Häufig wiederholen sich Muster aus in der Kindheit erlerntem Bindungsverhalten. Die unterschiedlichen Trennungs- und Bindungsverhalten zwischen Kindern und Müttern widerspiegeln die verschiedenen Bindungsstile im Erwachsenenalter.

Ist der Entschluss zur Trennung gefasst, solltest du keinen Schritt dem Zufall überlassen. Je besser die Vorbereitung, desto größer die Chancen den Absprung ohne Einschnitte zu schaffen. Möglichst viel Selbstständigkeit zurückzuerlangen hat oberste Priorität.

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Melanie Mittermaier Affärenmanagerin

Melanie Mittermaier

Affärenmanagerin, Paarberaterin, Beziehungscoach.

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