Sexsüchtig – Was tun?

sexsüchtig

Sexsüchtig

Nicht mehr und nicht weniger. Nur ein einziges Wort.

Ein Mann hat sich an meiner anonymen Liebe-Leben-Umfrage beteiligt. Er lebt in eine klassischen monogamen Beziehung, er hat Kinder und er schreibt mir als Frage nur dieses eine Wort:

Sexsüchtig

Da ich gestern den ganzen Nachmittag mit wundervollen Klienten gearbeitet habe, wollte ich diesen Beitrag gemütlich am Abend schreiben. Bei einem Glas Wein. Doch irgendwie fand ich das Setting nicht stimmig. Es wurden zwei Gläser Wein und ich hab mich in die Badewanne verzupft.

Manchmal frage ich mich, ob mein Glas Wein am Abend auch schon etwas wie eine Sucht ist und lege immer wieder Alkohol-Freie Zeiten ein, um mir zu beweisen, dass ich meine Bedürfnisse und Gelüste im Griff habe und nicht meine Gelüste mich.

Dasselbe gilt für Eiskaffee und Gummibärchen. Auch hier gerate ich schnell in eine Haltung von: „Ich MUSS SOFORT!!! etwas Süßes haben!“

Wann ist eine Sucht eine Sucht?

Wikipedia sagt: „Abhängigkeit (umgangssprachlich Sucht) bezeichnet in der Medizin das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums.“

„Ein Mensch wird nicht abhängig von einer Substanz, sondern einem Gefühlszustand. “

Soll heißen, dass ich nicht den Wein an sich so toll finde (obwohl ich den Geschmack sehr mag), sondern das leicht schwummerige Gefühl, was damit verbunden ist.

Das ist bei jedem Menschen anders. Ich kenne viele, die den Kontrollverlust durch Alkohol überhaupt nicht mögen. Ich schon ;-). Eiskaffee ist für mich eine Kombination aus Sonne, Urlaub, in einem Cafe sitzen mit netter Gesellschaft. Und auch Zucker kann süchtig machen. Letztes Jahr habe ich einen Zucker-Entzug durchgemacht und der war echt krass.

Nun beeinträchtigt mich weder der Rotwein, noch der Eiskaffee in der freien Entfaltung meiner Persönlichkeit – Phu! Glück gehabt ;-). Ich habe kein Problem mit meinen sozialen Bindungen und den sozialen Chancen (was auch immer das heißen mag). Somit bin ich wohl nicht süchtig und darf trotzdem achtsam sein.

Eine Klientin beschimpft ihren Mann als sexsüchtig, weil er durch das Coaching ermutigt war, seine wahren Bedürfnisse zu äußern (was er davor nie getan hat). Er wollte einmal pro Woche Sex, anstatt höchstens einmal pro Jahr. Das hat mit Sucht natürlich nichts zu tun.

Süchtig oder nicht süchtig, das ist hier die Frage

Ob mein Leser sexsüchtig ist, oder nicht, kann ich natürlich nicht beurteilen. Doch wenn er sich keine Sorgen machen würde, hätte er mir wohl nicht geschrieben. Weiter bin ich kein Freund von diesen Labeln: Ich bin Alkohliker. Mein Kind ist Legastheniker. Ich bin depressiv.

Sobald eine Diagnose so oder so ähnlich lautet, fühlt sich der Mensch mit seinem „Problem“ fest verbunden. Er verknüpft seine Identität damit, was für die Genesung eine schlechte Voraussetzung ist. Es mag für einen Alkoholiker entscheidend sein, sich seiner Sucht zu stellen und sie nicht zu verleugnen. Doch ich halte es für Kontraproduktiv, sich ein Leben lang als Alkoholiker zu bezeichnen (wenn jemand nicht mehr trinkt).

In diesem Fall darf sich derjenige fragen: „Hilft es mir, mich als sexsüchtig zu bezeichnen?“ Wenn dieses Label bedeutet, dass er ernsthaft etwas unternimmt, um da raus zu kommen – prima!

Wenn er die Bezeichnung „Sucht“ als Rechtfertigung für ein blödes Verhalten und als Ausrede benutzt, hilft es ihm nicht. Ein Workaholic z.B. mag seine Arbeitssucht vorschieben, weil er keinen Bock auf seine Familie hat.

Wann, wie oft, mit wem, welche Gefühle?

Mit folgenden Fragen wird das Ausmaß des Verhaltens klarer:

  • Wie oft muss er Sex haben? Leidet seine Ehe darunter? (Ich vermute, ja.)
  • Masturbiert er oft und zwanghaft?
  • Wie viel Pornos konsumiert er?
  • Fühlt er sich danach satt und glücklich, oder schal und leer?
  • Hat er ein schlechtes Gewissen/Schuldgefühl wegen seiner sexuellen Bedürfnisse?
  • Passiert es, dass er wichtige Termine versäumt oder absagt wegen Sex?
  • Wird er nervös und wütend, wenn er sein Bedürfnis nicht ausleben kann?
  • Nutzt er Telefonsex-Hotlines oder besucht er Prostituierte?

Lauert bereits der finanzielle Ruin?

Eine meiner Klientinnen war süchtig nach Wahrsager-Hotlines. Bei jeder Entscheidung, die sie treffen sollte, hat sie dort angerufen. Bei jedem schlechten Gefühl musste sie sich über die Kartenlegerin versichern lassen, dass alles ok ist.

Sie hat Unsummen an Geld dafür ausgegeben und mich um Hilfe gebeten. Wir haben gemeinsam den Account sperren lassen und sie musste einen Entzug von mehreren Wochen durchmachen. Das Geld war jedoch das kleinere Übel. Sie hat verlernt, auf ihr Gefühl zu hören und eigenständige Entscheidungen zu treffen. 

Ich kann mir vorstellen, dass bei einer Sexsucht nicht nur das Thema Sex zu Streit in der Ehe führt, sondern auch Geld. Wie viel gibt er tatsächlich für Sexhotlines oder Prostituierte aus?

Vorbild für die Kinder

Bei meinem Glas Wein bin ich mir sehr bewusst, dass ich ein (schlechtes) Vorbild für meine Kinder bin. Auch bei der Nutzung meines Handys. Unsere Kinder beobachten sehr genau, was wir Eltern tun und wie wir mit Stress und Konflikten umgehen.

„Kinder geraten selten nach anderen Leuten.“

Unsere Kinder werden später mal die selben Verhaltensweisen wie wir übernehmen. Für alle Eltern ist es wohl ein Albtraum, wenn ihr Kind in eine Sucht gerät.

Ich bin mit „Christiane F.“ aufgewachsen (also dem Buch und Film). Es gab schlimme Vorstellungen von Junkies, die am Großstadtbahnhof rumlungern, ihren Kinderkörper an Freier verkaufen und kriminell wurden. Und am Ende durch den goldenen Schuss ins Jenseits schwebten.

Heutzutage nehme ich große Angst vor einer Internet- oder Spielsucht wahr, oder vor dem sogenannten Komasaufen. Zucker halte ich für höchst bedrohlich. Angst hilft uns Eltern aber keineswegs. Wir dürfen einfach bewusst und wach sein, was wir unseren Kindern vorleben. 

ADS – Abenteuer-Defizit-Syndrom

Es gab ein Experiment, in welchem Ratten in einen Käfig gesperrt wurden, mit zwei Schälchen Wasser. Einmal pur und einmal mit Heroin oder Kokain. Alle Ratten tranken nur noch das Drogen-Wasser und sind schnell an einer Überdosis gestorben. Ein Professor hat das beobachtet und festgestellt, dass der Käfig leer war und die Ratten nichts anderes tun konnten, als Wasser trinken.

Er hat einen Ratten-Fun-Park gebaut mit Brücken und Tunnels, mit Spielsachen und vielen anderen Ratten, um zu spielen und Sex zu haben. Die Ratten in dem Fun-Park rührten das Drogen-Wasser kaum an. Keine einzige hat sich überdosiert. Somit ist die Ursache für Sucht gar nicht die Droge, sondern der Käfig.

Der großartige TED-Talk von Johann Hari hat den Titel:

„Alles, was wir über Sucht wissen, ist falsch!“

Am Ende dieses Beitrages findest du das Video. Schau dir diesen Vortrag an, der lohnt sich sehr!

In meiner Jugend war ich eine Weile mit einer Clique unterwegs, in der viele Drogen konsumiert wurden. Ich habe einen Jungen beobachtet, der einen „Affen hatte“, also unter Entzugserscheinungen litt und dringend eine Dosis Heroin brauchte. Ich habe ein bisschen rumprobiert und mir hat einiges sehr gut gefallen, doch zu keiner Zeit wurde ich süchtig. Und obwohl der Junkie mir immer wieder beschrieb, wie toll es ist, wenn das Heroin durch die Adern schießt, hab ich es nie angerührt.

Der TED-Talk schließt mit den Worten:

„Das Gegenteil von Sucht ist nicht Nüchternheit. Das Gegenteil von Sucht ist Bindung.“

Ich hatte schon immer gute Bindungen, habe stets einen Job ausgeübt, der mir Spaß gemacht hat und fühlte mich immer geliebt und verbunden. Die meisten Drogen habe ich während der Zeit genommen, als mein Bruder starb und meine große Liebe mich verlassen hat.

Was bedeutet das für diesen Fall?

Der Leser darf sich die Frage stellen, wie interessant sein Leben ist. Wie gut sind seine sozialen Kontakte? Hat er viele wirkliche Freunde? Hat er einen Job, den er liebt? Wie läuft es in seiner Familie? Ist seine Frau noch in der Lage, ihn zu lieben?

Einen Süchtigen zu lieben ist nicht leicht. Viele Verletzungen, Wut und Ärger belasten die Beziehung. Doch Liebe und nicht Ablehnung ist die Lösung. Sucht zu „bekämpfen“ macht keinen Sinn. Ein schlechtes Gewissen hilft nicht!

Der Aufdruck „Rauchen ist tödlich“ auf der Zigaretten-Schachtel setzt den Raucher unter Stress. Und was tut ein Raucher, wenn er Stress hat? Richtig, er raucht!

Sex gegen Stress

Ich beobachte es schon eine ganze Weile, dass Männer unter Stress gerne Sex haben. Beim Sex hört das permanente Geplapper im Gehirn auf, das Blut versammelt sich im Penis, der Mann fühlt sich geliebt und zugehörig. Das Gehirn schüttet Glücks-Botenstoffe aus, wie Dopamin und Serotonin. Bei einer Affäre auch noch Adrenalin.

Jeder, der fremdgeht, beschreibt eine Lebendigkeit als tolles Gefühl dabei. Was wenn die Menschen eine Leben hätten, welches sich lebendig anfühlt? Was wäre, wenn Menschen Sex haben dürften mit wem sie wollen? Was wäre, wenn wir unsere Bedürfnisse entspannt ausleben dürften, und nicht dafür verurteilt werden würden?

Was wäre, wenn Männer lernen würden, sich über Meditation zu entspannen und nicht nur über Sex oder Sport? Was wäre, wenn wir lernen würden, unsere Gefühle zu steuern und die Bilder in unserem Kopf zu verändern? Was wäre, wenn mehr Menschen ihre Arbeit lieben und in positiven Beziehungen leben würden?

Therapie oder Coaching?

Mir ist klar, dass so ein Artikel (obwohl er für meine Verhältnisse sehr, sehr lang geworden ist) keine Lösung für eine Sucht sein kann. Ich kann ein paar Impulse setzen und hoffe nun, dass der Mann sich professionelle Hilfe sucht. 

Je nach Ausmaß kann eine Therapie nötig sein, oder ein Coaching ausreichen. Es gibt so viele Methoden und Möglichkeiten, die enorm wirksam sind. Er darf sich um sein Leben kümmern und sich seinen ganz persönlichen Fun-Park bauen. Vielleicht darf er auch einen Entzug machen. Auf jeden Fall braucht es einen Sinn, wofür sich das ganz lohnt (denn es wird wohl kein Spaziergang werden).

Ich arbeite mit meinen Kunden sehr stark am persönlichen Lebenssinn, an ihren Zielen und Träumen – eben am Fun-Park im eigenen Gehirn. Ich bin fest davon überzeugt:

„Leben darf leicht gehen und Spaß machen. Liebe auch! Und Sex sowieso ;-).“

Herzlichst

Melanie

PS: Hier ist übrigens ein spannender TED-Talk zum Thema Sucht.

Share this post

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email

Ähnliche Beiträge

Kostenlose Video-Kurse

  • Du wurdest betrogen?
  • Du bist fremdverliebt?
  • Deine Beziehung ist langweilig geworden?
Zur Auswahl!

Hier bekommst Du Sofort-Hilfe:

Wähle das kostenlose Mini-Online-Training, das zu deiner Situation passt. Egal, ob du betrogen wurdest, fremdverliebt bist (oder bereits in einer Affäre steckst), oder ob deine Beziehung langweilig und lauwarm geworden ist, du kannst immer etwas tun.

Mit dem Online-Training verstehst du besser, was hier gerade passiert und bekommst Tipps, um Erleichterung und Hoffnung zu fühlen. Du machst eine kleine „Fortbildung“ in Beziehungsdingen und entwickelst deine Partnerschaft und deine Persönlichkeit.

HER DAMIT!

Dein Partner hat dich betrogen?

Mein gratis Videokurs hilft dir, die Dinge klarer zu sehen und leichter damit fertig zu werden:

*: Mit dem Klick auf den Button erklärst du dich einverstanden, dass ich dir im Laufe der folgenden zwei Wochen insg. 7 Mails schicke (Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich). Und du bestätigst Kenntnis und Einwilligung meiner Datenschutzerklärung.

HER DAMIT!

Du bist fremdverliebt (oder steckst in einer Affäre)?

Mein gratis Videokurs hilft dir, die Dinge klarer zu sehen und leichter damit fertig zu werden:

*: Mit dem Klick auf den Button erklärst du dich einverstanden, dass ich dir im Laufe der folgenden zwei Wochen insg. 7 Mails schicke (Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich). Und du bestätigst Kenntnis und Einwilligung meiner Datenschutzerklärung.

HER DAMIT!

Deine Beziehung könnte glücklicher sein?

Mein gratis Videokurs hilft dir, die Dinge klarer zu sehen und leichter damit fertig zu werden:

*: Mit dem Klick auf den Button erklärst du dich einverstanden, dass ich dir im Laufe der folgenden zwei Wochen insg. 7 Mails schicke (Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich). Und du bestätigst Kenntnis und Einwilligung meiner Datenschutzerklärung.

Für tägliche Impulse folge mir gern hier:

0
close