Ich lieb dich nicht, wenn du mich liebst

#109: Nähe und Distanz in Liebesbeziehungen

Wenn eine Beziehung nicht mehr auf Augenhöhe gelebt wird, dann ist einer der Unterlegene und der andere der Überlegene.  Das Nähe- und Distanz-Problem erlebe ich vielen Beziehungen meiner Kunden und auch in meiner eigenen haben wir immer mal wieder damit zu tun. 

Ein Partner wünscht sich mehr Sex, mehr Aufmerksamkeit, mehr Nähe, mehr Partnerzeit, mehr Intimität, usw…
Während der andere sich nach mehr Freiraum, einer offenen Beziehung, mehr Zeit für sich selbst und Distanz sehnt.  Man nennt das Paradoxe Leidenschaft und das ist ganz schön tricky.

Wie sieht gelebte Paradoxe Leidenschaft aus?

Eine Kundin berichtet mir, dass ihr Mann sie auf Händen tragen würde und ihr jeden Wunsch von den Augen abliest. Aber, sie überhaupt kein Verlangen danach hat, mit ihm Sex zu haben. Was ist das los? 

Ein „Wackeldackel“ ist unsexy, unerotisch und nicht begehrenswert. Der Respekt für den Partner sinkt. Daraus entwickelt sich die Paradoxe Leidenschaft.

Das unterwürfige Verhalten hat meistens nichts mit Liebe zu tun. Hierbei handelt es sich um Angst, Verlustängste, Angst nicht gut genug zu sein, Angst nicht zu genügen, Angst dass der Partner fremdgehen könnte, usw. Das betrifft Männer wie Frauen. Der Partner beginnt sich daraufhin vollkommen zu verbiegen, nur um es dir recht zu machen.

 

Paradoxe-Leidenschaft: 
Wenn die Beziehungs-Dynamik kippt

 

Wenn einer der Partner in die Unterwürfigkeitshaltung kommt, weil er um Liebe bettelt, sich total verbiegt, oder seinen Partner zu bleiben anbettelt, dann kippt die Beziehungs-Dynamik.

Das läuft dann etwa so:

Der Unterlegene sucht die Nähe seines Partners, seine Sicherheit und seine Aufmerksamkeit.

Der Überlegene bekommt ein schlechtes Gewissen, weil der andere sich doch so sehr für ihn aufopfert und alles macht und tut, aber man einfach kein sexuelles Interesse mehr an ihm hat.
„Mit mir stimmt was nicht?!“ Frauen sagen dann gerne, sie stehen auf Arschlöcher…

Aber genau, dass ist der springende Punkt. Man darf sich nicht in eine der beiden Rollen hineindrängen und die Schuld bei sich suchen. 

Paradoxe Leidenschaft beenden – zurück zur Partnerschaft auf Augenhöhe

 

Bei Partnerschaften auf Augenhöhe gibt es immer wieder Situationen, in denen sich Anzeichen einer Paradoxen-Leidenschaft zeigen, aber im Großen und Ganzen hält es sich die Waage.

So ist beispielsweise der Anhänglichere zufrieden und satt, wenn man mal wieder ein schönes, liebevolles gemeinsames Wochenende miteinander verbracht hat und die Akkus wieder aufgeladen sind.

Oder der Partner, der mehr Sex möchte, ist nach einem prickelnden Wochenende wieder ausgeglichen.

Die Beziehung ist einigermaßen ausgeglichen. Mal mehr Nähe, mal mehr Intimität, mehr Sex…
Wenn Partner auf gleicher Augenhöhe sind, dann fühlen sie sich wohl auf der Wippe, die mal in die eine Richtung, mal in die andere Richtung schwingt.

Die Wippe oder wie Paradoxe Leidenschaft gelebt werden kann

Die Wippe sollte das Zielbild in einer bereits vorhandenen Paradoxen Leidenschaft sein. Auch wenn man schon darin verstrickt ist, sollte man versuchen eine Lösung zu finden, so dass derjenige, der „unten im Loch“ sitzt, die Möglichkeit hat, heraus zu kommen und wieder eine Balance in der Beziehung stattfindet.

Allerdings, wenn der Punkt überschritten ist und der „überlegene“ Partner kein Interesse mehr an Dir hat bzw. eine Balance nicht mehr hergestellt werden kann, ist es sinnvoll diese Beziehung zu beenden.

Aber was dann?
Angenommen, Du bist der Unterlegene und hast Dich von Deinem Partner getrennt und diesen sogar hinausgeworfen. Und jetzt? Frage Dich:

  • Wer bin ich?
  • Wer möchte ich sein?
  • Wie kümmere ich am besten um mich selbst?

Das Kuriose an dem Punkt ist, sobald Du Dich drehst und nach vorne schaust, Dich auf Dich selbst konzentrierst und nicht mehr auf den Partner fixierst bist, ihn anhimmelst und hinterher trauerst, ab diesen Punkt wirst Du für Deinen Ex-Partner wieder interessant. 

Aber VORSICHT! Dies geschieht in den meisten Fällen nicht aus einem echten Liebesbedürfnis, sondern um sein eigenes Ego zu befriedigen. „Was?! Die hat einen anderen! Das geht doch gar nicht!“

Dir dagegen kann nach so einer Erfahrung als Unterlegene eine Liebelei ganz gut tun. Ja, auch zum Ego aufpolieren. Aber auch hier solltest Du wieder auf der Hut sein, nicht in alte Rollenmuster zu fallen.

Woran erkenne ich, dass ich in einer Paradoxen Leidenschaft stecke?

Da gibt es ganz verschiedene Anzeichen für ein Ungleichgewicht, hier nur ein paar Beispiele:

  • Eifersucht, je nach Ausprägungsgrad
  • Du bist immer der Wartende (z. B. Wann er/sie von der Arbeit heimkommt)
  • Täter-/Opferhaltung mit Vorwürfen (Du arbeitest immer zu viel und hast keine Zeit für mich)
  • Wenn einer mehr in die Beziehung investiert, als der andere (Lass uns zur Paarberatung gehen, was unternehmen, in den Urlaub fahren.)
  • Einer fühlt sich vernachlässigt, und der andere kann nicht atmen
  • Einer verteilt öfter seine Liebesbekundung, als der Partner
  • Berufliche Karriere steht im Vordergrund (Frau und Kinder warten daheim)
  • Persönlichkeitsentwicklung von Unsicherheit zu Selbstsicherheit, Selbstvertrauen

In einer Paradoxen Leidenschaft ist es total kontraproduktiv, wenn man den Überlegenen dazu zwingen möchte, mehr Zeit miteinander zu verbringen, mehr Sex zu haben, oder mehr Nähe fordert. Es wird genau das Gegenteil bewirken, so dass sich der Überlegene noch mehr zurückzieht und eine noch größere Ablehnung gegen seine Partner entsteht. Er wird immer mehr auf Distanz gehen.

Achtung! Es gibt verschiedene Charaktere. Manche Leute teilen sich gerne mit Worten mit, andere wiederum mit Gesten der Zuneigung oder Körperkontakt. Einigen fällt es sehr leicht „ich liebe dich“ zu sagen, andere zeigen es durch ihre Gesten. Wenn aber einer ständig nachfragen muss „Liebst Du mich?“ dann kann das ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht sein.

Freiheit kostet Bindung

Bindung kostet Freiheit. In einer Paradoxen Leidenschaft wird der Unterlegene immer mehr Nähe suchen, was den Überlegenen immer mehr zu Flucht veranlasst, worauf der Unterlegene noch näher heran rutschen möchte.

In diesen Fällen, falls die Wippe noch aktiv ist und sich immer wieder mal ein bisschen Balance einspielt, kann es hilfreich sein, wenn der Unterlegene einfach auf Abstand geht. Oder im umgekehrten Fall der Überlegene Partner fünf Minuten seiner Zeit opfert, um dem unterlegenen Part Aufmerksamkeit zu schenken – aus eigenem Antrieb und nicht gezwungener Maßen. Allerdings wie gesagt nur, wenn sich auf der Wippe noch was bewegt.

Bei einer offenen Beziehung kann es sich so entwickeln, dass man sich selbst alle Freiheiten gönnt, aber der andere Partner soll absolut monogam zu mir leben.

Auslöser der Paradoxen Leidenschaft:

Die Paradoxe Leidenschaft entsteht in unterschiedlichen Lebenslagen und aus verschiedenen Gründen. Ich habe Dir hier mal ein paar aufgeführt, die dir als Beispiel dienen. 
Die Liste ist nicht perfekt und auch nicht vollständig. 

  • Veränderungen im Außen oder Innen
  • Kinder kommen (erfolgreiche Frau wird Mutter und ich plötzlich ans Haus gebunden)
  • Kinder werden Teenager und rebellieren
  • Sortierung einer Patchwork-Familie
  • Jobverlust, neuer Job, Karrieresprung, Gehaltssprung
  • Lottogewinn, Erbe
  • Firmenpleite
  • Der Weg in die berufliche Selbständigkeit
  • Inneres Wachstum
  • Persönliche Weiterentwicklung
  • Selbstvertrauen
  • Kenntnisse erwerben
  • Tod einer nahestehenden Person/Elternteil/Fehlgeburt
  • Ungewolltes Kind (Abtreibung)
  • Krankheiten, Unfälle
  • Wechseljahre bei Frauen

Paradoxe Leidenschaft: die gesellschaftliche Rolle des Geschlechts

Die Rolle des Geschlechts darf man in unserer Gesellschaft nicht außer Acht lassen. Noch heute leben wir in einen Patriarchat, in dem die Männer den Ton angeben. Hier gibt es bisher immer noch keine wirkliche Gleichberechtigung auf Augenhöhe. Frauen kümmern sich meist noch um den Haushalt oder versorgen die Kinder. Eine sexuell aktive Frau wird immer noch als Schlampe bezeichnet, wogegen es für Männer
keine eigene Begrifflichkeit dafür gibt.

  • Wer ist zuständig für das warme Essen? 
  • Wer kocht in der Beziehung? 
  • Wer verdient mehr Geld? 
  • Wer nimmt die Erziehungszeit? 
  • Wer zieht die Kinder auf? 
  • Wer betreut die kranken Kinder?

Frauen müssen sich in unserer Gesellschaft immer noch behaupten, das erlebe ich bei meinen Coachings ständig. Und immer wieder geht es um Macht und Geld. 

Hier macht es Sinn zu sehen, wer welche Rolle bedient. Manchmal macht es Sinn dieses Rollenspiel zu verlassen,  manchmal reicht auch einfach ein Rollentausch um das Gleichgewicht
wiederherzustellen. Männer sind genauso verpflichtet zu gleichen Teilen ihren Beitrag zum Haushalt zu leisten. Und nicht nur ab und an zu helfen. Nicht nur bemühen. Es ist ihre Pflicht!

Ältere Männer haben meist niemanden, mit dem sie reden können. Es fällt leichter in eine Affäre zu schlittern, als sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen.

Attraktivität und Gleichgewicht wieder Aufbauen 

Natürlich kann es sein, wenn ein Partner im Laufe der Beziehung viel Gewicht zunimmt, dass es zu einem Ungleichgewicht in der Partnerschaft kommen kann. Aber das hat viel mehr mit Selbstachtung zu tun. Gerade Frauen, die den Respekt vor sich selbst verlieren und sich nicht mehr als Frau behaupten, leiden darunter. 

Der Partner muss uns mit all unseren guten und schlechten Seiten kennen. Man kann sich nicht immer nur von der perfekten Seite zeigen, sondern auch seine Rechte einzufordern, einmal schlecht gelaunt zu seine oder meine Ängste mitzuteilen. Natürlich sollte auch dies sich immer die Waage halten. Nur schlechte Laune ist auch nix. Man muss sich in der Beziehung erlauben, authentisch zu sein.

Bei einem aufgeflogenen Betrug geht es erst mal darum, die Scherben zu sortieren und den Scherbenhaufen aufzuheben. Der betrogene Partner hat das Recht sich in seinen Gefühlen wahrgenommen zu werden. Ich nehme mich bewusst wahr, aber ich suhle mich nicht in meinem Selbstmitleid.

Auch mal auf Distanz gehen! Keine Angst vor dem Verlust! Statt sich weiter an den Partner zu hängen, wird es Zeit aus Deiner Rolle auszubrechen und auf Distanz zu gehen. Neue Wege für Dich gehen um durch den Abstand wieder attraktiver für Deine Partner zu werden. Er muss von selbst wieder erkennen, was er an Dir hat, sonst kann er wegbleiben! 

Du kannst Deinen Partner nicht dazu zwingen Dich zu lieben! Du musst es Dir erst selbst geben. Niemand
achtet Dich mehr, als Du Dich selbst achtest! Niemand respektiert Dich mehr, als Du Dich selbst respektierst!

Ursache für Paradoxe Leidenschaft: der Bindungsstil

Wir alle sind mit gewissen Bindungsstilen groß geworden. Im optimalen Fall haben wir als Kinder eine sichere Erfahrung gemacht, das heißt in unserer Familie gab es selten ein Ungleichgewicht im Inneren wie im Außen und wenn es eines gab, dann stellte sich immer schnell wieder Balance ein. 

Wenn wir allerdings einen unsicheren Bindungsstil erlernt haben, dann gibt es hier zwei Unterscheidungen.

Ambivalenter Bindungsstil: man klammert, sucht immer nach Nähe und Liebe

Vermeidende Bindungsstil: man brauch keine Liebe, will keine Beziehung, denn man könnte verletzt werden

Wenn zwei Persönlichkeiten aufeinander treffen, in der diese Art sich zu binden (oder nicht zu binden) eine große Rolle spielt, dann herrscht von Anfang an ein Ungleichgewicht in dieser Beziehung.

Paradoxe Leidenschaft: Was kann ich tun?

Der wichtigste Schritt ist die Bewusstwerdung. Du musst herausfinden, was der Auslöser war, oder wie es zu dieser Situation gekommen sein könnte. Nicht Du oder Dein Partner sind die Schuldigen. Es nützt auch nichts sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. 
Kommt aus der Opfer-/Täterhaltung raus! Hier ist es an der Zeit lösungsorientiert zu denken.

In einer ordentlichen Paarberatung kann man überprüfen, welcher Bindungsstil am Start ist.
Bei mir im Coaching wird analysiert, was passiert ist und welche situationsbedingten Änderungen und Veränderungen vorgefallen sind. Hier können nun neue Zukunftspläne ausgehandelt werden.

Es ist wichtig sich selbst und den andere zu respektieren. Seinen eigenen Selbstwert zu erkennen und dementsprechend zu handeln.

Buchtipp:

 

Zum Schluss möchte ich Dir noch einen Buchtipp mit auf den Weg geben, der auch der Titel diese Podcast und Blogartikels ist:

„Ich lieb Dich nicht, wenn Du mich liebst: Nähe und Distanz in Liebesbeziehungen“*
Dean C. Delis / Cassandra Phillips

Wenn ich Euch unterstützen kann, dann meldet Euch für ein Coaching bei mir! Wir kriegen schnell eure Beziehungsdynamik raus und was ihr tun könnt, um euer Gleichgewicht wieder her zu stellen.

Leben darf leicht gehen und Spaß machen. Liebe auch!

Herzlichst,
Melanie

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