Muss ich auf Sex verzichten, wenn der/die andere in einer Beziehung ist?

Sex ohne MoralEpisode 011 – Auf Sex verzichten, weil er verheiratet ist? Oder darf ich mit einem gebundenen Mann schlafen?

„Ach du Scheiße!“, denke ich nervös, als ich den Zündschlüssel meines alten Golfs herumdrehe. „Worauf hab ich mich da bloß eingelassen?“ Ich parke aus und warte, bis er mit seinem Auto an mir vorbei gefahren ist. Wie besprochen fahre ich ihm hinterher.

Das Herz klopft mir bis zum Hals. Habe ich womöglich die Klappe zu weit aufgerissen? Hätte ich nicht doch lieber NEIN sagen sollen? Mist, jetzt komme ich wohl nicht mehr raus aus der Nummer. Doch trotz all meiner Zweifel freue ich mich auf das, was gleich passieren wird. Es ist längst überfällig.

Ich bin Anfang 20 und wir kennen uns schon ein paar Jahre. Mit 15 haben wir uns zum ersten Mal geküsst. Doch es hat nie gepasst mit uns. Entweder hatte ich einen Freund oder er eine Freundin. Muss ich jetzt auf Sex mit ihm verzichten?

 

 

Scheiß Moral! Jetzt oder nie!

An diesem Abend bin ich frei und kann tun und lassen, was ich will. Er hat schon länger eine Freundin und ich kenne sie gut. Wir haben viele Abende zusammen verbracht. Sie ahnt nichts davon, dass wir uns seit Jahren zueinander hingezogen fühlen.

Er setzt den Blinker, biegt in einen Waldweg ein und fährt so weit in die Dunkelheit, bis unsere Autos von der Hauptstraße aus nicht mehr zu sehen sind. Ich stelle den Motor ab und atme tief durch. Wie verabredet schließe ich meinen Wagen ab und steige bei ihm ein. Die Luft knistert, mein Herz schlägt noch heftiger und auch seinen Herzschlag kann ich deutlich hören.

Er nimmt meinen Kopf in seine Hände und küsst mich leidenschaftlich. Bisher war es nur eine Phantasie in unseren Köpfen und jetzt wird sie Wirklichkeit. Keine Ahnung, wieso, aber es ist völlig klar, dass wir keine Beziehung miteinander eingehen wollen.

Nur Sex. Einfach so.

Eine knappe Stunde später fahre ich rückwärts den Waldweg wieder in Richtung Hauptstraße. Ich kann nicht glauben, dass wir es getan haben. Ich bin beschwingt, mein Herz hüpft und gleichzeitig meldet sich leise ein kleines Schuldgefühl und die Frage nach der Moral:

  • Hätte ich nicht auf seine Freundin Rücksicht nehmen sollen?
  • Wäre ich nicht moralisch dazu verpflichtet, von einem gebundenen Mann die Finger zu lassen?

Ganz ehrlich: Warum um alles in der Welt sollte ich mich besser um die Beziehung anderer Menschen kümmern, als sie selbst? Wieso sollte ich den Moral-Apostel spielen und seine Freundin beschützen, wenn er es nicht tut?

Hallo? Es ist ja wohl nicht MEINE Beziehung.

Trotz meiner jungen Jahre hatte ich das mit der Eigenverantwortung schon geschnallt. Mir war klar, dass ich für meine Gefühle selbst verantwortlich bin und auch für die Umstände und Beziehungen in meinem Leben.

Wir haben das Ganze kurze Zeit später noch einmal wiederholt. Danach hat sich die Anziehung zwischen uns komplett aufgelöst und wir waren ab sofort nur noch Freunde. Wir haben nie darüber gesprochen, doch es war uns beiden klar. Seine Freundin hat nie davon erfahren und irgendwann haben sich die beiden auch getrennt.

Monogamie ist nicht für jeden gut

Ich bekomme immer mal wieder Kommentare, dass meine freiheitliche Denke verwerflich wäre und ich eine Gefahr für alle glücklichen Beziehungen wäre. Würden alle Menschen so denken, wie ich, würde auf der Welt nur noch „Sodom und Gomorrha“ herrschen, heißt es dann.

Viele schreien nach Treue und Moral und schieben jegliche Beteiligung von sich, wenn sie betrogen werden. Die Schuldigen sind schnell gefunden. Es ist immer der untreue Partner und die böse dritte Person.

Ich selbst habe damals auch noch daran geglaubt, dass es nur EINE richtige Beziehungsform gibt. Ich hatte keine Ahnung von Polyamorie oder freien Beziehungen. Fremdgehen wäre auch für mich ganz schlimm gewesen. Es gab ja noch keine Blogs, wie meinen, wo ich hätte nachlesen können, dass Treue einfach nur ein Denkschema ist und keine in Stein gemeißelte Wahrheit.

Die Schwerkraft ist eine Tatsache. Monogamie nicht.

Doch ich wusste bereits, dass ich nicht für das Glück oder Leid anderer Menschen verantwortlich bin. Wenn mir ein Mann gefallen hat und ich ihm, habe ich seine Beziehung nicht zu meinem Problem gemacht. Das war seine Aufgabe, nicht meine.

Damals hätte ich nicht gewollt, dass mich mein Partner betrügt. Doch das hätte ich mit ihm geklärt und nicht mit der anderen Frau. Es ist doch ihr gutes Recht, ihn zu genießen, wenn beide das wollen und er darauf eingeht.

Heute gehe ich noch einen Schritt weiter. Untreue gibt es gar nicht. „Fremdgehen“ kann man doch nur, wenn es einen Besitzanspruch oder einen Anspruch auf Exklusivität gäbe. Ein Mensch kann niemals einen anderen besitzen. Niemand hat das Recht über den Körper oder die Gefühle eines anderen zu bestimmen. NIEMAND!

Jeder Mensch ist frei zu tun, was immer er will. Er muss lediglich die Konsequenzen tragen.

Wegen dem Karma auf Sex verzichten?

„Und was ist mit dem Gesetz der Anziehung?“, wurde ich gefragt. „Wenn ich mit einer Person Sex habe, die liiert ist, passiert es mir dann nicht auch, dass ich betrogen werde?“

Dieses Gesetz besagt, dass wir Umstände, Personen und Erfahrungen in unser Leben ziehen, die zu unserer „Schwingung“ passen. Die Schwingung ist eine Kombination aus Denken und Fühlen. Ich ziehe nicht das an, was ich möchte, oder ich mir wünsche. Ich ziehe das an, was ich BIN (also ausstrahle).

Wenn ich mir beim Universum einen Parkplatz bestelle, darf ich davon ausgehen, dass ich einen Parkplatz bekomme. Wenn ich Angst habe, keinen zu finden, werde ich trotz meiner Bestellung keinen finden. Denn ich strahle „Mangel von Parkplatz“ aus und nicht „Parkplatz“.

Wenn ich mit einer Person Sex habe, die verheiratet ist, und ich mich gut fühle, beschwingt bin und bereichert, ziehe ich mehr davon in mein Leben. Wo die guten Gefühle sind, geht es lang! Ester Hicks sagt: „Do more what makes you happy!“

Schuldgefühle und Angst

Habe ich dagegen Schuldgefühle und Angst, dass mir das auch passieren wird, ziehe ich mehr Situationen in mein Leben, die mich ängstigen, betrogen zu werden, und wofür ich mich schuldig fühlen kann. Das kann einen völlig anderen Kontext haben. Nur die Gefühlsqualität ist dieselbe. Verurteile ich mich für mein Handeln, ziehe ich Umstände an, für die ich mich verurteile.

Wenn es mir gut geht und ich strahle (egal wodurch ausgelöst), bereichere ich die Welt und die Menschen, die mir begegnen. Sogar, wenn ich etwas angeblich moralisch Verwerfliches getan habe. Ich darf einfach nur aushalten, die Konsequenzen zu tragen.

Hätte die Freundin von dem Typen es herausgekriegt, hätte sie niemals mehr ein Wort mit mir gesprochen. Das war mir klar, doch das hätte ich dann aushalten müssen. Schuldgefühle hätten mir geschadet und ihr nicht geholfen. Dann kann ich es doch auch gleich genießen, oder? Klar hätte ich auf Sex verzichten können, aber hätte uns das weiter geholfen? Nein!

Das ist doch total egoistisch!

Ja, das ist es. 100% Eigenverantwortung bedeutet 100% Egoismus. Damit meine ich nicht, Ellbogen raus und wie eine Dampfwalze alle eigenen Bedürfnisse durchzusetzen, koste es, was es wolle. Ich meine damit, sich gut um sich selbst kümmern, auf die eigenen Gefühle achten und dann in die Welt strahlen.

„Würde jeder Mensch vor seiner eigenen Türe kehren, wäre überall sauber.“

Ich halte es für viel egoistischer, wenn eine Person davon ausgeht, dass sich jemand anderes mehr um ihr Wohlergehen kümmern sollte, als um sein eigenes. Geht’s noch? Die größten Moral-Apostel haben meist selbst Dreck am Stecken.

Wenn du vor der Entscheidung stehst, etwas mit einer Person anzufangen, die liiert ist, dann stell dir folgende Fragen:

  • Kann ich mir selbst in die Augen schauen, wenn ich das tue, oder soll ich lieber auf Sex verzichten?
  • Habe ich moralische Bedenken?
  • Für wessen Glück bin ich verantwortlich?
  • Kann ich damit leben, dass die Person sich nicht für mich entscheidet? Kann ich den Status Geliebte/Geliebter ertragen?
  • Tue ich mir damit weh, oder tue ich mir damit gut?
  • Welche Schwingung strahle ich ins Universum, wenn ich es tue?
  • Bereichert es mich?

Wenn du dich gut fühlst und bereit bist, mit den Konsequenzen zu leben, mach! Wenn es sich blöd anfühlt, du ein schlechtes Gewissen hast und deine Gefühle nicht unter Kontrolle hast, lass es bleiben. Es ist DEINE Entscheidung und es ist DEIN Leben. „Do more what makes you happy.” Und lass den anderen Scheiß.

Leben darf leicht gehen und Spaß machen. Liebe auch!

Herzlichst

Melanie

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