Affäre: Fremdgehen und Seitensprung verstehen

Knapp die Hälfte aller Deutschen gehen einmal im Leben fremd. Welche Auswirkungen können sogenannte One-Night-Stands oder emotionale Affären auf eine Beziehung haben?

Nicht immer muss aus einem gebeichteten oder aufgeflogenen Seitensprung das Ende resultieren. Es existieren Unterschiede zwischen Frauen und Männern, wie Studien beweisen. So reagieren Frauen primär wütend und gereizt, setzen diese Verletzung mit Hass gleich. Das weibliche Spezies möchte den Partner für den Seitensprung bestrafen – laut einer Studie von Dr. Ragnar Beer ist dies die einzig auffällige Abweichung zwischen den Geschlechtern.

Andere wissenschaftlich evaluierte Ergebnisse zeigen noch einen zusätzlich signifikanten Unterschied: Für Frauen ist es gefühlsmäßig schlimmer betrogen zu werden, als für Männer. Hingegen fallen maskuline Reaktionen zur sexuellen Untreue wesentlich vernichtender aus, während das weibliche Gehirn emotionale Illoyalität als schmerzlicher empfindet. Eine Vielzahl psychischer Auswirkungen von Seitensprüngen haben negative Folgen auf unsere Emotionen. Zusätzlich daraus resultierende Effekte sind ein geschädigtes Selbstwertgefühl, Vertrauensverlust sowie eine Mischung aus Misstrauen, Angst und Eifersucht.

Was ist eine Affäre?

Fachlich wird eine Affäre als Liebesabenteuer bezeichnet. Die deutsche Sprache definiert diese geheime Liebesbeziehung allerdings in vielen unterschiedlichen Facetten. Längst nicht immer dreht sich der Kern des Interesses um Sex. Männer und Frauen fühlen sich zu mehr als einer Person hingezogen, häufig liegt der Reiz im Unbekannten und Neuen. In die klassische Vorstellung einer Partnerschaft passt ein Liebesabenteuer allerdings nicht.

Denn, was ist eine Affäre? Sie verleiht die Wahrnehmung wieder begehrt und bewundert zu werden – eine Aufgabe, die eigentlich vom Partner erwartet wird. Außerdem schenkt diese Art von Aufmerksamkeit Betroffenen das Gefühl, verstanden zu werden und etwas Besonderes zu sein. Die Lust am Verbotenen spielt mit Sicherheit auch eine Rolle, womit der Fokus jeder Affäre auf eine Tatsache gerichtet ist: die Veränderung. In allen Fällen wirkt sie sich auf eine Beziehung mitunter zerstörerisch aus. Neben dem rein sexuellen Kontakt gibt es die Art der emotionalen Affäre zu beachten. Wobei sich Letztere vorwiegend um Gefühle dreht und sich für Betroffene häufig die Frage nach einer neuen Partnerschaft oder einem anderen Umgang mit der bestehenden stellt.

Affäre und ihre Bedeutung

Die Definition der Affäre kommt in verschiedenen Arten von Beziehungen vor. Im Gegensatz zu ernsthaft angelegten Bindungen, wie einem Zusammenleben oder einer Ehe im selben Haushalt, findet bei einer Romanze eine deutliche Abgrenzung statt. Klassische Merkmale sind unstet wechselnde Beteiligte, die üblicherweise zumindest zu einem Teil in einer Beziehung zu einer anderen Person stehen. Während manche den Begriff ausschließlich für kurz angelegte Liaisons verwenden, wo jedenfalls ein Mensch in einer aktiven Verbindung steckt, nutzen ihn Dritte auch für Kurzbeziehungen zwischen zwei Singles, ohne partnerschaftliche Beteiligung. Prinzipiell schürt der Begriff der Affäre die Denkhaltung, dass eine Person hintergangen wird. Zudem gilt die Begriffsverwendung als Steigerung zum Seitensprung sowie als Erklärung einer Vorstufe zu einer Beziehung. Fast immer geht die Formulierung dem One-Night-Stand in Richtung einer Liebesaffäre voraus.
Eine Affäre ist daher eine beziehungsähnliche Situation, bei der sich beide Beteiligte darüber einig sind, dass es keine Beziehung ist. Meistens im Sinne von „laissez faire“, also einfach laufen lassen.

Sex oder Liebe

Affären können in jedem Beziehungsstatus passieren. Sie gehen aus glücklichen und unglücklichen Partnerschaften hervor. Für die meisten Betroffenen stellt sie den größten Vertrauensbruch dar, wenngleich nicht jede Affäre identisch zu beurteilen ist. Körperlicher Betrug oder der Hunger nach Geschlechtsakt kann in ausgeprägter Form vorhanden sein, ohne dem Gegenüber eine tiefere emotionale Bindung anzubieten. Geht das Interesse über die erotische und sexuelle Ebene hinaus, muss wiederum nicht Sex die unweigerliche Folge daraus sein. Hier handelt es sich um eine Form der Beziehung, bei der die Gefühlsebene zur dritten Person stärker involviert ist, als der offizielle Lebenspartner selbst. Bei welcher Art von Affäre die größeren Probleme auf bestehende Partnerschaften zukommt, hängt von der jeweiligen Perspektive ab. Während bei Frauen emotionale Bindungen schwerer wiegen als sexuelle, verhält es sich bei Männern genau umgekehrt.

Emotionale Affäre

Bei emotionalen Liebschaften kommt es in der Regel zu keinen körperlichen Aktivitäten zwischen den Beteiligten. Dieses Alleinstellungsmerkmal erklärt den bedeutendsten Unterschied zur sexuellen Liebelei. Bereits ein Zungenkuss wäre untypisch, stattdessen definiert sich diese besondere Form der Beziehung vollständig über die Gefühlsebene. Nicht selten erkennen zwei Menschen über einen längeren Zeitraum nicht, dass ihre vermeintliche Freundschaft alle Kriterien dafür erfüllen. Kommen Frau und Mann zu dieser Erkenntnis, ist eine Rettung der bestehenden Partnerschaften schwierig.

Derart verbundene Menschen verbringen häufig außergewöhnlich viel Zeit miteinander und sind gedanklich von ihrem Gegenüber einvernommen. Intime Themen oder persönliche Probleme sowie wichtige Alltagsanliegen werden zuerst untereinander diskutiert – beide hoffen auf mehr Verständnis für die eigenen Sorgen. Da durch diesen regelmäßigen Austausch die emotionale Bindung stetig wächst und intensiver wird, stellt sich bereits in diesem Stadium eine langfristige Beziehung ein. One-Night-Stands oder rein sexuelle Affären sind eine wesentlich geringere Gefahr für Partnerschaften, als diese Form des Miteinanders.

Obwohl es im Entwicklungsprozess nicht zu körperlichem Kontakt kommt, spielen sinnliche Gefühle eine Rolle. Die Übergänge zum Sex sind fließend. Solange Frau und Mann gegenüber Dritten nur gefühlsmäßig etwas empfinden, aber jegliche Körperlichkeiten ablehnen, hat die dauerhafte Beziehung eine Chance. Finden Partner nach einer solchen Affäre wieder zusammen, fällt das Verzeihen ohne Kopfkino inklusive Sexszenen deutlich leichter als mit. Verdrängen lassen sich die Bilder einer körperlichen Liebesaffäre jedoch nur schwer.

Affäre – wo beginnt sie?

In diesem Punkt gibt es unterschiedliche Perspektiven und Sichtweisen. Generell sind sich Personen einig darüber, wann ihre Affäre tatsächlich begonnen hat. Sobald ein inniger Kuss die Zuneigung besiegelt, ist dieser Status aus Sicht der meisten Beteiligten erreicht. Kommt es zu einem sexuellen Erlebnis besteht an der Definition grundsätzlich kein Zweifel mehr. Diese Grenze bei ausschließlich emotionalen Momenten zu ziehen, ist wiederum wesentlich schwieriger. Hier sorgt eine ehrliche Aussprache für Klarheit.

Psychische Probleme nach dem Fremdgehen

Ob One-Night-Stand, Seitensprung oder eine längere Liaison macht für den Betrogenen kaum einen Unterschied. Die Folgen der Affäre bleiben die selben. In jedem Fall ist zu Beginn des Eingeständnisses das Vertrauen zerrüttet, plötzlich ist der Partner ein völlig Fremder. Manchmal fühlen sich die Opfer eines Betruges traumatisiert, sie leiden erheblich unter den Langzeitfolgen – sowohl seelischer als auch körperlicher Natur. Es kommt zu posttraumatischen Belastungsstörungen des Organismus. Göttinger Psychologen fanden heraus, dass mehr als 80 Prozent der Betrogenen gegenüber dem Partner extrem misstrauisch sind. Sie suchen nach Indizien, wollen immer genau wissen, wo sich der Partner befindet. Als weitere Folge können Depressionen auftreten, verursacht durch das Empfinden von Demütigung und Trauer. Betroffene fühlen sich ohnmächtig und lustlos, wissen nicht, wie ihr Leben weitergehen soll. Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Albträume komme hinzu.

Wut und Verwirrung herrscht gegenüber der Gefühlsarmut des Gegenübers. Während Männer ihren Ärger in erster Linie auf den Kontrahenten fokussieren, ist es bei 70 Prozent der Frauen eine wütende Haltung zum Partner. Zudem sind viele Opfer extrem reizbar. Häufig wissen Betrogene die Situation überhaupt nicht einzuordnen und die Gefühle zum Partner schwanken.

Das Forschungsinstitut Gewis gibt an, dass lediglich drei Prozent Frauen und Männer ihren Lebensgefährten nach einem Seitensprung verlassen würden. Rund zwei Drittel ziehen eine Aussprache vor und versuchen die Beziehung zu retten. Tatsächliche Opfer einer Affäre hadern mit den Geschehnissen wesentlich mehr und sehnen sich diese verlässliche Basis des Vertrauens zurück. Nicht selten begeben sich Betroffene in therapeutische Behandlung – manchmal lassen sich die Wunden kitten, für andere entwickelt sich die Situation zur unüberwindbaren Kluft.

Jedes Paar muss für sich entscheiden, ob ein Übergang zur Normalität möglich ist und zu welchen Bedingungen die Zukunft stattfinden kann. Trennung oder Neubeginn? Der Weg in einen routinierten Alltag kann sehr lange sein. Nicht selten übernehmen allerdings kulturell oder gesellschaftlich akzeptierte Reaktionen die Kontrolle – zum Leidwesen der Partner. Es stellen sich vielmehr die Fragen: Warum kann ich unter fairen Bedingungen nicht einfach vergeben? Gibt es dafür vielleicht auch durchaus gute Gründe? Wieso lasse ich es zu, die Basis einer positiven Beziehung wegzuwerfen? Ist ein sexuelles Abenteuer gleich das Ende der Welt?

Wenn sich der Mann in die Affäre verliebt

Trotz allem Gefühlschaos – Männer würden die Rolle ihrer Geliebten selten als abwertend beschreiben. Durch ihre Anwesenheit fühlen sie sich stark, selbstsicher und unabhängig. Gerade für gebundene Männer entsteht ein toller Kontrast zwischen Familienalltag und zu erfüllenden Erwartungen. Affärenfrauen hingegen genießen das Beisammensein, sind entspannt und die gemeinsame Zeit ist prickelnd. Fehlt in Beziehungen etwas, ist der Seitensprung Ausdruck für Leerstellen. Woran es in der Beziehungskiste mangelt, zeigt sich bei genauerem Hinsehen:

  • zu wenig Achtung oder Anerkennung
  • zu wenig emotionale Nähe
  • zu viel Alltag ohne partnerschaftliche Auszeiten
  • fehlende sexuelle Spannung
  • zu viel festgefahrene Routine
  • zu wenig Abwechslung

Gerade die fehlende Intimität wird Männern häufig als Startgrund für eine Affäre angelastet. Die Angst vor zu viel Nähe, Verbindlichkeit oder einer starken Bindung treibt den Gedanken an ein Abenteuer geradezu an. Paradox, doch parallel geführte Liaisons verlangen diese Art von Zugeständnissen nicht. Tendenziell entstehen Liebeleien bevorzugt mit einer Kollegin oder guten Freundin, die Ausnahme ist eine gezielte Suche über Seitensprungportale und Ähnliches.

Männern wird gerne unterstellt, sie würden lockere Affären bevorzugen. Doch im Laufe der Entstehung einer solchen verlieben sich männliche Personen ähnlich intensiv und schnell wie Frauen. Kommt es zu derart offenkundigen Emotionen, kann die Bandbreite von Bewunderung bis zur tiefen Liebe für den weiblichen Part reichen. Wenn Triebe die Innigkeit wecken, sind es dennoch immer die Gemeinsamkeiten und nicht die Gegensätze, die uns anziehen. Daher widerspiegelt ein Affärenpartner in den meisten Fällen Berührungspunkte zur eigenen Persönlichkeit sowie deren partnerschaftlich erlebten Defiziten. Auch in diesen Geschichten resümieren Männer das Erlebte und finden heraus, ob eine Entscheidung pro Geliebte sinnvoll ist. Analytisches Denken wäre gefragt, in der Realität folgen Männer ihrem Herzen und einem guten Zeitpunkt. Wer insgeheim bereits beschlossen hat, das Leben mit der Affäre zu beginnen, sollte dennoch um einen fairen Schnitt zum bestehenden Partner bemüht sein.

Anzeichen für das Ende einer Affäre

Aus Affären entstehen statistisch gesehen wenige Beziehungen. Nur selten führen emotionale Anfangsstadien zu einer sich entwickelnden Partnerschaft. Da sich Affären durch ihre Unverbindlichkeit auszeichnen, wird zu Beginn der Liaison ein lockerer und unkomplizierter Umgang miteinander gepflegt. Wer dennoch Empfindungen entwickelt und mehr Struktur mit der Liebelei erleben möchte, sollte seinem Gegenüber eine Chance geben, sich darauf einzustellen.

Häufig stehen der ursprünglichen Abmachung allerdings Gefühle im Weg. Es kommt unweigerlich zur Trennung oder Auflösung der Liebschaft. Thematisiert wird in den meisten Fällen die emotionale Diskrepanz und dabei sollte es auch bleiben. Den Kontakt konsequent abzubrechen, ist hilfreich für die eigene Weiterentwicklung.

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Melanie Mittermaier Affärenmanagerin

Melanie Mittermaier

Affärenmanagerin, Paarberaterin, Beziehungscoach.

Ich begleite dich auf deinem ganz individuellen Weg in eine authentische Liebesbeziehung – egal, wie diese für dich persönlich aussieht. Auch, wenn du im Moment kein Licht am Ende des Tunnels siehst: Gemeinsam finden wir die Lösung, die sich für dich richtig anfühlt!